Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 419)
- Language
- German
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380 Ein eigener schelmischer Zug schwebte auf Rosels Antlitz, als er dies sprach. »Mein Name ist ganz gut,« sagte sie, »er ist der meines verstorbenen Vaters und meiner Mutter, und ich schäme mich nicht seiner. Aber Ihr habt mir einen Spitznamen beigelegt, ich bin bei Euch eine Prinzessin, und da habt Ihr Euch in den Kopf gesetzt, ich bin wirklich eine! Ich aber ... ich will ja keine sein!« »Rosel! um Gottes willen, ist denn das möglich!« rief Jossef, »da fällt ja eher ein Stern vom Himmel herunter.« »Die Sterne können nicht heruntcrfallen,« sagte Mosel schalkhaft, »denn dazu hat sie Gott da hin gestellt; aber daß aus einer Prinzessin eine Bäuerin wird ... das steht nicht nur in Ihres Vaters Geschichte, die ihm seine Babe erzählt hat — das kann im Leben wirklich geschehen!« »Versteh' ich recht, Mosel?« jauchzte Zossef auf, dem nun Alles klar ward. »Josses!« Ein Freudenschrei durchzitterte die Lust, daß er selbst das Rauschen des in diesem Augenblicke wieder in Bewegung gesetzten Mühlrades übertönte. Kein Wunder! Hatte sich das Märchen von der Prinzessin nicht zu holder Wirklichkeit belebt? Die verschwiegene Rache wußte von zwei Herzen mehr, die sich gesunden hatten aus den räthselhaften Irrwegen dieses Lebens, um sich niemals zu verlieren! XII. A (i d) 1) a n s e! Nicht weit von dem Dachsteg stand eine uralte Linde, mit einem Heiligenbilde daran. Dorthin hatten die Zwei, Arm in Arm,