Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 403)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609288--3624-2610969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
364 nichts wollen zuthun haben.« RoselLeben! ich Hab' aus seineWorte nichts gegeben, und dank' meinem Gott im siebentenHimmel dafür! Als eine Prinzessin bist Du gekommen, und warst verwöhnt und verzärtelt, aber von dem Augenblicke an, wo ich Dir das Buch weggenommen habe, bist Du eine Andere geworden. Du hast ein Geschick zu Allem, man kann auf- und abgehen in halb Böhmen, so wird man keine zweite Rosel finden. Nicht nur hast Du deine Natur geändert, Du bist mir auch im Hause behilflich gewesen, wie die beste Bauerstochter. Das Alles weiß ich, und habe es gesehen; nur mein Jossef hat für Dich blinde Augen. Da kannst Du thstn, was Du willst, er meint noch immer, Du verachtest uns, weil Du Hannele Ehrenfeld's Tochter bist, und wir nur ungezogene Bauern. Und weil er sieht, wie Du mir und meinem Feiwel, denn auch der ist gegen Dich ein Anderer geworden, so ans Herz gewachsen bist, gerade darum setzt er seinen eisernen Kopf auf und ist Dir ein Feind. Sonst, das kann ich als Mutter schon sagen, ist das Kind gut, brav und fromm; er trinkt nicht, er spielt nicht, und gibt keinen Kreuzer unnütz aus. Nur gegen Dich hat er die unglückselige Idee, da ist er wie ausgetauscht. Soll ich das einzige Kind wieder Kommißbrot essen lassen, und auf einem harten Brett in der Caserne schlafen? soll ich zugeben, daß er in einer Winternacht irgendwo Wache steht, wo er, Gottbehüte, mir erfrieren kann? Ich frag' Dich selbst, Rosel Leben, Du hast ja so viel gelernt und so viele Bücher gelesen. Ist es da nicht besser, Du gehst zu deiner Mutter wieder zurück, damit ich, ich und mein Feiwel ihren Sohn behalten?« »Es wird nicht ganz so sein, Eitel Leben,« sagte das Mädchen nach einer guten Weile, und ein seltsames Lächeln glitt dabei über ihr liebliches Antlitz. »Du wirst mir sagen, mein Kind, wie Zvssef vonDir denkt?« eiferte Eitel, »dem seh' ich's auf hundert Schritte an den Augen