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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858) · p. Seite 319

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 319 (sequence 360)
Language
German
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319 Eitel, die Bäuerin, fühlte wohl, wie ihr diese Worte ans Herz griffen, aber als eine Frau vonVerstand faßte sie sich schnell; sie sah in aller Raschheit ein, um was es sich jetzt handle. »Ich halt'Dich nicht, mein Kind Leben,« sagte sie, »Du kannst gehen, wie's Dir beliebt, und wenn Du willst, lass' ich einspannen, und mein Sohn führt Dich wieder zurück. Eitel hältKeinen zurück, der nicht bei ihr bleiben will.« Die Wirkung dieser wenigenWorte auf das Gemüth des Mädchens mochte keine geringe sein; langsam wandte sie sich von der Thüre ab, deren Klinke sie bereits ergriffen hatte, und zeigte ihr thränenbenetztes Gesicht in seiner ganzen Lieblichkeit und Feinheit. Eitel hätte nicht sagen können, wie ihr bei diesem Anblick ward, auch Zoffef nicht, der in einer Art von Verzauberung noch immer als Zeuge dieses seltsamen Vorganges dastand. Aber bei Eitel kam zu dem Gefühle tiefsten Mitleides, das sie mit den Thränen des Kindes empfand, denn Schönheit im Schmerz ist immer rührend, noch das volle Bewußtsein, daß Hannele Ehrenseld's Tochter vor ihr stand, daß deren Ebenbild so zu ihr spreche, und in demselben Augenblicke, wo sie ihr Haus betreten, schon Miene machte es zu verlassen. Sie selbst war nicht länger mehr im Stande ihre Thränen zurückzuhalten, und mit vor Wehmuth zitternder Stimme sagte sie: »Sieht es denn gar so schrecklich bei uns aus, oder meinst Du, man könnt' nicht einmal eine Nacht bei uns aushalten? Probirs nur, mein Kind, ich kann Dich ja bei Nacht und Nebel nicht sortschicken. Fürcht'st Du Dich denn nicht?« »Gerad' weil ich mich fürchte, will ich fort,« rief schluchzend das Mädchen. Die Bäuerin horchte hoch auf. »Du fürcht'st Dich? vor wem denn?« »Vor dem Bauer —«

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