Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 188)
- Language
- German
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147 und Bibliotheken durchstöbert werden, um irgend einen literar-historischen Fund dem heißhungrigen gelehrten Publicum vorzusetzen. Allein trotz dieses bedeutenden Sammler- und Forschungsfleißes besitzen wir nicht eine Monographie über die jüdische Geschichte des gesammten Deutschlands, und der Grund liegt in der Schwierigkeit der Sache, die von einem Manne, trotz dem Aufgebote aller Kraft und aller Zeit, kaum in Lebensfrist gelöst werden dürste, llnsere Geschichte muß mit Bienenfleiß aus christlichen Gemeinde- und Kirchenbüchern, aus den Localgeschichtsbüchern, den provinziellhistorischen Zeitschriften, den bischöflichen, gräflichen und fürstlichen Archiven, aus den jüdischen Gemeindebüchern, den sogenannten Memmarbüchern, den Gemeindestatuten, den jüdischen Friedhöfen und hebräischen Literaturwerken geschöpft werden, und man erkennt, daß dazu mehr als die Kräfte eines Mannes, und größere Summen zur Bestreitung der entstehenden Kosten erforderlich sind, als unfern Gelehrten zu Gebote stehen. Leicht aber wird nach meinem Ermessen die Sache durch die Bildung eines weitverzweigten und stark besetzten historischen Vereins, an dessen Spitze ein, etwa aus unfern Jost, Herzfeld, Grätz, Geiger, Frankl, Philippson, bestehendes Präsidium, welches das von den einzelnen Mitgliedern aus den obengenannten Quellen ihres Ortes und ihrerllmgegend geschöpfte Material entgegennimmt, prüft, und etwa durch die Mittel des Literaturvereins veröffentlicht. Es ist klar, daß aus diese Weise in wenigen Jahren aller auszusindende Stoff gesammelt, und zur weitern Bearbeitung vorhanden sein wird, während wir sonst vergebens auf eine vollständige jüdische Geschichte unseres deutschen Vaterlandes harren würden, da, wie gesagt, ein Mann unmöglich alle Quellen durchforschen kann, und die Resultate einer Specialforschung kaum ein größeres Publicum intereffiren dürste. So besitze ich alte Statuten vieler mährischen Rabbinen, die für eine Geschichte der Juden Deutsch- 10 *