Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 135)
- Language
- German
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94 konnte Niemand ohne Eintrittskarte hineinkommen. Der Diener führte mich zu einem Offizier der Nobelgarde, welcher, wie es schien, schon unterrichtet von der Sache war, und mich mit der größten Artigkeit bis einige Schritte vor den Thron des Papstes führte, und mir es frei stellte, nach Belieben mich anzustellen. Versehen mit einem guten Operngucker, einem theuren Andenken meines Freundes Dr. Pollitzer, machte ich, seit ich es besitze, heute den wichtigsten Gebrauch davon. Das Local mit allen Kardinalen und anderer Geistlichkeit, sowie der französische Stab, die vielen Damen, alle im schwarzen Flor, welche letzteren in einer eigens dazu errichteten Loge waren, gaben der ganzen Sache einen feierlich großartigen Anstrich. Nur fehlte noch das Oberhaupt der Kirche; endlich kam der Papst im vollenOrnate, jedoch ohne Tiara, sondern die Mitra auf dem Kopse, begleitet von mehreren Monsignors — denn die Cardinäle müssen früher schon aus ihren Sitzen versammelt sein. Der Papst nahm seinen Sitz auf prachtvollem Throne, zu welchem breite Treppen führen. Die Beschaffenheit des Thrones mit seinem blendenden Baldachin, die Hinterwand des Thrones von reichgewölöten Tapeten, aus welchen zwei Löwen, rechts und links gewissermaßen den Thron bewachend, sich strecken, gaben dem Ganzen, inmitten so vielen Pompes, wirklich etwas Ueberirdisches- Mein Augenpunkt war der erhabenste: Pius IX. aus dem Throne und der heitere Himmel, der diesen mit einem reinen Licht beleuchtete, begünstigte meine phhfiognomischen Beobachtungen — und die Ernte war eine glückliche. Was ich mit sicherem Auge gesehen, suchte ich meiner Büste wieder zu geben, und so steht meine Büste, ich darf es keck, ohne Ziererei aussprechen, das beste plastische Porträt von Pius IX., schon in Ghps geformt in meiner Studie — und wie der sich selbst verzehrende Neid regen oder geberden mag, er wird mir dieses nicht streitig machen können. — — So stehen die Sachen, und in einigen Tagen beginnt