Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 131)
- Language
- German
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90 Baron entspreche, und nichts Weiteres. Ich hatte bei meinem ohnedies leichten Vertrauen die ganze Sache aufgegeben, als plötzlich eine zweite Anfrage kam, ob ich anstatt der Büste des Papstes nicht lieber einen andern Gegenstand vorschlüge. Dieses Schwanken zeigte mir deutlich genug, daß meine Vermuthungen nicht ganz ungegründet waren, ja ich äußerte sogar meinen Argwohn. Aber den zu bestellenden Gegenstand betreffend, ließ ich dem Herrn Baron freien Spielraum; er möge bestellen, was er immer wolle, ich werde mit möglichster Sorgfalt meines Auftrages so ehrbar als möglich mich zu entledigen suchen. Nun ging es abermals nach Neapel, es wurde wieder eine Zeit verzögert, und endlich kam das Endresultat: es blieb beim ersten Ausspruch, es wird die Büste des Papstes gemacht. Auf mein Ansuchen, man möchte mir eine Sitzung vom Papste verschaffen, wozu der Einfluß eines Rothschild mir genug schien, um es zu erreichen, wurde mir kurzweg verneinend geantwortet. Bon dieser Seite wären wir nun im Reinen; nun kommt aber auch das wahre Künstlerinteresse ins Spiel; die Sache wurde mir ernst; und im Falle ich eine Sitzung vom Papste erhielte, sogar von der höchsten Bedeutung; im entgegengesetzten Falle aber, sobald ich auf eine Copie beschränkt würde, von gar keiner; denn ich würde die ganze Sache als eine gewöhnliche Jndustriearbeit behandelt haben. Zur Erreichung meiner Pläne ging ich mm zum österreichischen Gesandten, dem Herrn Grafen Eßterhazy, der ohnedies von meinen: Berhältniß ganz unterrichtet ist, und mir gewogen zu sein scheint; ich sagte, ich habe vom Herrn Baron Rothschild eine kleine Bestellung, die nur dann von Bedeutung wäre, sobald Excellenz nur will; ich soll die Büste des Papstes machen und mich auf eine Copie beschränken; ob ich denn nicht das Glück haben könnte, durch die Gunst des Grafen eine oder zwei Sitzungen zu erhalten. Der Graf freute sich, daß sich endlich einmal die