Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 116)
- Language
- German
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75 der sich da entspann, wurde die Blüthe der deutschen Ritterschaft theils niedergehauen, theils gerieth sie in schmähliche Gefangenschaft. Rings von den wüthenden Feinden umgeben, wäre auch der heldenmüthige, junge Kaiser, das weltliche Oberhaupt der abendländischen Christenheit, in die Gewalt der Sarazenen gerathen, hätte nicht einer seiner untergeordnetsten Diener ihm in der größten Gefahr die größte Treue bewiesen und Rettung gebracht. Dieser, ein Jude Namens Kalonymos, eilte, als die Roth am höchsten war, seinem erschöpften Herrn zuHilfe und lieh ihm sein Roß. Auf demselbeu gewann der Kaiser in beschleunigter Flucht das Meeresufer, »und wie er,« fährt Bischof Thietmar fort, »in der Ferne »ein Schiff, eine sogenannte Salandria, erblickte, schwamm er auf »dem Rosse des Juden Kalonymos darauf zu. Das Schiff aber »fuhr vorüber, ohne ihn aufnehmen zu wollen. Als er dann wie- »der nach den Schutzwänden am Ufer zurückkehrte, fand er den Ju- »den noch daselbst stehen, indem er in voller Angst abwartete, wie »es seinem geliebten Herrn ergehen möchte. Als nun der Kaiser »die Feinde herankommen sah, fragte er den Juden traurig, was »nun wohl aus ihm werden sollte. In dem Augenblicke aber er- »blickte er ein zweites Schiff, und bemerkte auf demselben einen »ihm bekannten Ritter. Behend schwang er sich wieder auf das »Roß, das ihn zum zweiten Male rettend durch die Wellen an »das Bord des Schiffes trug.« Wirklich erkannte auch der Ritter, auf den der Kaiser seine Hoffnung gesetzt hatte, seinen Herrn, nahm ihn ehrerbietig auf, und bewog die Schiffleute durch große Versprechungen , gen Rvffano zu steuern. Als man hier angelegt hatte, eilte der Kaiser in die Stadt zu seiner Gemalin, mit den Seinen Gott für die wunderbare Rettung dankend. . Der Kaiser ließ die Hingebung und Treue des Juden, der ihm sein Leben gerettet hatte, nicht unbelohnt, ja er scheint die Familie des Kalonymos noch der besonder» Gnade seines Sohnes, des nach-