Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, vierter Jahrgang 5618 (1857-1858) (1857-1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 55)
- Language
- German
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er damit bekannt, daß ihre Länder sich darauf gefaßt machen müßten , die Oberherrlichkeit Babyloniens anzuerkennen. Seine Rede über Aegypten, in welcher Ironie mit bittcrm Ernste wechselt, ist ein Muster prophetischer Beredsamkeit, welche den Zesajanischen Reden an die Seite gestellt zu werden verdient. Eines Tages trat Jcremia an die Auswärtigen verschiedener Nationen heran, reichte jedem derselben vergifteten Wein und deutete ihnen damit symbolisch an, daß berauschendes Gift und schmählicher Untergang ihnen allen bevorstehe, dem stolzen Aegypten, den freiheitsliebenden Philistäerrepubliken, dem weisen Zdumäa, dem seefahrenden, handeltreibenden Phönizien, dem wüstenschiffenden Arabien und allen Staaten, den nahen und fernen. »Ihr werdet das Gift trinken müssen, berauscht werden, taumelnd stürzen und nicht mehr aufstehen.« Für Judäa aber, dem er bereits dreiundzwanzig Jahre gepredigt, ohne ein geneigtes Ohr zu finden, formulirte er das es bedrohende Unglück in ganz faßlichen Ausdrücken: Nebukadnezar wird mit den Chaldäern und nordischen Völkerschaften heranziehen, und das Land in eine Einöde verwandeln; jeder Laut der Freude wird verstummen. Diese Urtheilverkündigung, vor dem Volke gesprochen, und durch Symbole veranschaulicht, machte eineu erschütternden Eindruck. Jubäa hatte sich eben nach Rechtes Niederlage süßen Hoffnungen hingegeben, seine Selbstständigkeit schien durch Aegyptens Schwäche gesicherter denn je, und nun wurde ihni der Untergang durch ein Reich angedroht, das eben erst entstanden war! Die Unverbesserlichen und Verblendeten in Judäa ließen ihren Unmuth an den Propheten aus und wollten sich den Schein geben, daß sie sich aus denStrafverklindigungen nichts machten. Jeremia wurde in Gewahrsam gebracht, wahrscheinlich um seinen Einfluß auf das Volk zu hemmen. Aber ihm lag gerade daran, den günstigen Augenblick zu benutzen, um das Volk zur Umkehr zu bewegen. Da er aber verhin-