Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 206)
- Language
- German
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162 Gewalt unterdrückt werden konnte. Feurige Pasquille gegen Obrigkeit und Bürgerschaft, von den Juden fabricirt, waren am Rathshause und mehren Kirchenthürmen angeklebt. Die Pasquillanten wurden von ihren eigenen Glaubensgenossen endlich, um den ansgesetzten Preis zu gewinnen, verrathen und in der Judenstraße vor versammelter Gemeinde ansgepeitscht und damit war der Aufstand zu Ende , die Fische aber, o Grans! blieben vor wie nach verboten. 2. Herzog Friedrich von Würtemberg. Während die Könige Frankreichs, Englands unb Spaniens im Mittelalter, wie die Geschichte lehrt, nie ist gegen die Juden austraten, waren die Deutschlands meist für sie, schützten sie gegen ritterlichen und spießbürgerlichen Uebermuth, gegen Vorurtheil und Raubsucht, ja zogen zuweilen das Schwert für sie. Ein weniger bekanntes und hervorragendes, aus der alten Sattler'schen Geschichte des Herzogthums Würtemberg, 10. Theil, S. 208, entnommenes Beispiel mag dies bewahrheiten. Unter dem Herzog Friedrich (1597) von Würtemberg suchte ein Jude, Namens Maggino Gabrieli, um Aufnahme in Würtemberg nach unb erbot sich die Maaren btlliger als die anderen Kaufleute zu liefern. Der Herzog, ausländische Maaren und Geld liebend und den Handel gern befördernd, überhaupt den Juden günstig, obschon den Ealvinisten abhold, wollte dem Gesitche entsprechen, wobei wohl auch sein Rath Enzlin, der häufigen Verkehr mit den Juden hatte, großen Antheil gehabt haben mag. Sein Hofprediger Dr. Lucas Ossiander, zugleich Abt zu Adelberg, machte ihm harte Vorstellungen deswegen, der Herzog aber entsetzte ihn deshalb seiner Predigerstelle und seiner Prälatur. Auch der Landstand legte sich Mittel und wies den Herzog darauf hin, daß die Duldung der