Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 199)
- Language
- German
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155 raschen aber wohl überlegten Entschluß, den Posten anzunehmen und — daselbst etwas Gutes zu leisten. Wir wollen nun sehen, wie er diese sonderbare Mission auffaßte und ausführte. Die drei Sommermonate vergingen unter Studium der persischen Sprache und Reisevorbereitungen. Gegen Mitte August waren die nothwendigen wissenschaftlichen Objecte, trockene und in Weingeist in verlötheten Metallgefäßen conservirte Präparate menschlicher Körpertheile, Instrumente, Kartenwerke, anatomische und chirurgische Atlanten, kurz der Elementarlehrstoff der zukünftigen Akademie für Feldärzte (wozu die persische Negierung die nöthigen Vorschüsse angewiesen hatte) eingeschifft und am 17. August 1851 reiste Dr. Polak via Donau nach Constantinopel und gelangte nach einem viertägigen Aufenthalt daselbst und nach einer fünftägigen Fahrt über das schwarze Meer wohlbehalten nach Trapezunt. Hier hatten sich die fünf nach Persien angeworbenen Professoren, nämlich drei k. k. Offiziere — einer vom Geniecvrps, einer von der Infanterie und einer von der Cavallerie — ferner ein Montanist und Dr. Polak, sämmtlich geborne Oesterreicher, das Rendezvous gegeben. Am 22. September ^>rach unsere wissenschaftliche Earavane, erfüllt vom regsten Berufseifer, jeder mit den betreffenden scientifischen Hilfsapparaten ausgerüstet und den zu deren Transport nöthigen Manlthieren, Dienern und Wegweisern, von Trapezunt auf, um, im höheren wie im buchstäblichen Sinne des Wortes, die Cnltur des fernen theuren Vaterlandes nach Mittelasien zu tragen. — Der k. k. österreichische Consul begleitete die Reisenden bis zurGebirgssohle; hier wurden zum Abschiede Oesterreichs erhabenem Monarchen ein Lebehoch gebracht, der Heimat ein zärtlicher Gruß zugesendet; dann gings weiter durch die steil ansteigenden, zerklüfteten Gebirgspässe des armenischen Alpenlandes, auf dem schmalen, ungebahnten Earavanenweg, oft an tiefen Abgründen vorbei, über Beiburtb nach Erzerum, wo man am 1. Oktober anlangte.