Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 185)
- Language
- German
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141 »Wer Sie näher kennt, theuerster Freund! und Ihre Talente zu schätzen weiß, dem kann es gewiß an keinem Erernpel fehlen, wie leicht sich glückliche Geister ohne Vorbild und Erziehung emporschwingen, ihre unschätzbaren Gaben ausarbeiten, Geist und Herz bessern, und sich zu dem Rang der größten Männer erheben können. Ich gebe einem Jeden zu bedenken, ob Sie, großmüthiger Freund! nicht die Rolle des Juden im Schauspiel übernommen hätten, wenn Sie auf Ihren gelehrten Reisen in seine Umstände gesetzt worden wären. Ja, ich würde unsere Nation erniedrigen, wenn ich fortfahren wollte einzelne Erempel von edlen Gemüthern anzuführen. Nur das Ihrige konnte ich nicht übergehen, weil es zu sehr in die Augen leuchtet, und weil ich es zuoft bewundere.« Diese angeführten zerstreuten einzelnen Züge, wenn sie -auch nicht geeignet sind, ein vollständiges Lebensbild zu entwerfen, dürften doch wenigstens genügen, den cultur- und literarhistorischen Uebergang einer bereits verschollenen Zeit in eine blühende hoffnungsreiche anzudeuten. Wer weiß, ob wir nicht dem dunklen Streben Gumpertz' die Anregung der Meudelssohn'schen Wirksamkeit und in Folge dessen die Neugestaltung unserer geistigen und socialenStellung zu verdanken haben! Note dem erwähnten Schreiben bei: »Michaelis war der Göttinger Recensent. Der Brief ist von Moses Mendelssohn an Doctor Gumpertz, einen Arzt in Berlin, der aber nicht practicirte, sondern von seinen Mitteln lebte, und sich eigentlich mit Mathematik beschäftigte. Gumpertz war um die damalige Zeit Secretär bei Maupertuis (Präsident der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin).«