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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1856-01-01 · Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857) · p. Seite 130

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
Date
1856-01-01
Page
Seite 130 (sequence 174)
Language
German
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130 Auch aus einigen deutschen Kleinstaaten, in denen eine judenfreundliche Gesinnung sonst nicht besonders zum Vorschein kam, werden uns einige erfreuliche Züge mitgetheilt. So z. B. bewilligte der Magistrat von Hildesheim einem jüdischen Studenten aus Hildesheim, der das jüdischtheologische Seminar in Breslau besucht, ein jährliches Stipendium von 30 Thaler. — In Leipzig fanden zu wiederholtenmalen Predigten statt, welche die Gehässigkeit gegen Andersgläubige, namentlich Juden, streng verwiesen. Daß bei erneuter Einbringung der Emancipationsbill im englischen Parlamente auch abermals ausgezeichnete Staatsmänner ihre Stimmen zu Gunsten der Glaubensfreiheit erhoben, haben wir schon erwähnt, so wie überhaupt in den Rückblicken Manches hierin zu rühmen war. Und Dank verdienen Alle, die durch Wort oder That dem Vorurtheil entgegentreten und es auf seinen Ungrund zurückführen. So widmen wir denn zum Schlüsse auch ein solches Dankeswort dem wackern Professor Schleiden in Jena rücksichtlich des nachfolgenden Passus in seinen »Studien«: »Die blutrothe Nonas xi'0äiZio8a spielt eine traurige Rolle in der Geschichte des Aberglaubens. DiesesJnfufionsrhier, wenn es ein solches ist, zog sich im Jahre 1847 von Hamburg durch das nordwestliche Deutschland bis an den Rhein, überall wo es in der feuchten Luft der Keller ein passendes Klima fand, die Speisevorräthe, wie gekochte Kartoffeln, Schnittbohnen, Fleisch u. s. w. mit einer dicklichten, prachtvollen, scharlachrothen Farbe überziehend. Damals hielt man es für einen Vorboten der Cholera. Im Jahre 332 nach Christi aber erschien die Nonas prodigiosa gleichzeitig mit der Pest in'Rom und kostete hundertsiebzig armen Matronen das Leben. Im Jahre 1510 erschien sie in Berlin besonders auf den Oblaten in den feuchten Gewölben der Saeristei. Siebzig eingeborne Juden erlitten dafür den Feuertod, weil sie die Hostie mit Christenblui vergiftet haben sollten!«

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