Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 100)
- Language
- German
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56 vernachlässigt haben konnten, beweist der Umstand, daß sie bei ihrer gänzlichen Jsolirtheit von den übrigen Völkerschaften durch den täglichen Bedarf aller Arten von Haus-, Feld- und Kriegsgeräthschaften zu deren Selbstanfertigung gezwungen waren. . Zu welchem Grade der Vollkommenheit sie es in der That nicht allein in allen Zweigen der Gewerbe gebracht, sondern wie sehr sie selbst in dem höheren Kunststeiß sich ausgebildet, beweist hinlänglich die Herstellung des noch heut zu Tage als ein höchst gelungenes Meisterwerk berühmten salomonischen Tempels sammt seinen Einrichtungen und Verzierungen (Kön. I. 6). Als Nabuchadnezar die Israeliten in die Gefangenschaft führte, nahm er 1000 Schlosser und Zimmerleute mit. (Kön. IL 24, 14—16 und Severn. 29, 2.) Die größten Lehrer Israels haben sich ihr Brod durch das Handwerk verdient. .Schamai war ein Zimmermann; Rabbi Jehoschua, Rabbi Iizchak und der eine Rabbi Jochanan waren Schmiede, der andere Rabbi Jochanan war Schuhmacher. Raw Papa war Bierbrauer; Raw. Joseph Müller; ein anderer Rabbi Jehoschua war Weber. Raw Scheschet nährte sich vom Last- und Raw Huna vom Wassertragen, und der große Hillel schämte sich nicht durch Holzspalten sein Brod zu verdienen. Daß aber dieTalmudlehrer nicht nur mit den niedrigsten und schwersten Handwerken, sondern auch mit den höheren sich befaßt, welche Tüchtigkeit sie in denselben sich erworben, und welche Vertrautheit mit artistischem und industriellem Gewerbfleiß sie sich eigeu gemacht, zeigen die von ihnen verfaßten und in das Gebiet der Mechanik, Technik, Geometrie und Agrieultur einschlagenden Tractate von Pea, Demai, Kelajim, Erubin, Kelim, Oholot u. a. m. 11. Daß die Arbeit dem Israeliten eine heilige religiöse Pflicht ist, sagt schon das 4. Gebot (Erod. 20, 9 und Deut. 5, 13): »Sechs Tage sollst Du arbeiten und dein Handwerk verrichten.« Nachdrücklich und wiederholt zur Ar-