Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, dritter Jahrgang 5617 (1856-1857)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 64)
- Language
- German
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20 Religionsfreiheit werde gewähren müssen. Darum mögen die Protestanten mit Standhaftigkeit die Zumuthungen des spanischen Hofes zurückweisen. Don Josephs Briese wurden im Staatsrathe vorgelesen und stachelten die Mitglieder desselben so sehr auf, daß sie der Statthalterin Margaretha von Parma eine Schrift überreichten, worin sie ihre Beschwerden auseinandersetzten und auf Beseitigung, derselben drangen. 41) Das war einer der Impulse, die zum Abfall der Niederlande von Spanien geführt haben. Der Glanz von Don Josephs Stellung fiel auch auf die türkischen Juden. Sie hatten die schönsten Häuser in Constantinopel und genoffen die ausgedehntesten Rechte. 42) Die Nachricht von Don Josephs hohem Rang und Einfluß im Divan erklang bald in ganz Europa. Als der mildeKaiser Marimilian von Oesterreich wegen eines Friedensschlusses mit der Türkei unterhandelte und wie üblich Geschenke an die Großwürdenträger des türkischen Reiches durch seine Botschafter schickte, verfehlte er nicht auch Don Joseph durch ein Goldgeschenk von 2000 Thalern zu gewinnen (1567). 43) Don Joseph war zu hoch gestiegen, um nicht Neider und Feinde zu haben. Sein Hauptgegner war der Großvesir Mohawed Sokolli, ein Bosnier Renegat, dem der Einfluß Don Josephs auf Selim im Wege war. 44) Nicht selten schwebten drohende Wolken über dem Haupte des jüdischen Günstlings, die er aber glücklich abzuwenden wußte. Einst kam Don Joseph durch einen vertrauten Geschäftsführer seines Hauses in die größte Gefahr, in welche auch sämmtliche Juden des türkischen Reiches hätten ver- ' wickelt werden können. Don Joseph hatte einen Mann aus dem Staube gezogen, ihn mit Wohlthaten überhäuft, ihm Zutritt zu den Großen geschafft und ihm Gelegenheit gegeben sich zu bereichern, und der Undankbare vergalt ihm Gutes mit Bösem. Mit zwei Helfershelfern vereint, brachte der Verräther, ein Arzt, dessen Namen David oder Daud