Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 306)
- Language
- German
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List drückte die Thürklinke auf, und trat in die Schenke. Die Thür selbst blieb halboffen, so daß Hindel alles überblicken konnte, was darin vorging. 3n dem Hintergründe der Schenke, um einen runden Tisch, auf dem eine ungeputzte Kerze düster brannte, saßen drei Männer und spielten Karten. Jederhatte zurSeite einen Haufen Silbermünzen liegen. Bärele hatte die Thür im Rücken; keiner der Spieler hatte übrigens den Eintritt des Mädchens bemerkt. In demselben Augenblicke rief einer der wüsten Gesellen, indem er Bärele einen tückischen Blick zuwarf und eine Karte zuschleuderte, daß sie auf dem Tische klatschte: »»Jetzt wirst Du genug haben. Spie? aus!« Da trat W hinzu, und legte ihre Hand auf Bärele's Arm, der gerade zum Ausspielen sich anschickte. »Steh' auf, Bärele,« sagte sie mit zitternd weicher Stimme, »die Mutter wartet draußen.« Bärele sank in seinen Sitz zurück und starrte das Mädchen wie eine ungeheuerliche Erscheinung an. »Steh' auf,« sagte sie noch einmal, »und komm' mit.« Damit ergriff sie ihn bei der Hand — und er, gebannt von dem Eindrücke des auf so wunderbare Weise gekommenen Mädchens, die Augen fest gerichtet auf sie, stand auf und ließ sich von ihr zur Thür hinausführen. »Mein Kind, mein Kind!« erscholl draußen die Stimme Hindels. War es schluchzende Freude, war es Zorn? Es war schwer zu entscheiden. Ein halbes Jahr nach dieser Begebenheit feierte man tn der Gaffe eine große, prächtige Hochzeit, wie an Glanz und Pomp schon lange keine stattgefunden hatte. Der Bräutigam war Bärele, die Braut — List, die Nähterin. Es versteht sich von selbst, daß es großen Lärm und ungeheure Aufregung im Lande gab, als diese »Partie«