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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 287

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 287 (sequence 290)
Language
German
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287 rang mit übermenschlicher Anstrengung den Eindruck des so eben Gehörten. Vielleicht hätte sie klüger gethan, der armen Nähterin die stolze Miene einer beleidigten reichen Frau entgegenzusetzen, wie das so vortrefflich Ln der »großen Welt« verstanden werden soll, aber dazu fehlte ihr die Unwahrheit und auch der Muth. Sie war sogleich überzeugt, daß Lisi Recht habe, alle Umstände, die sich jetzt zu einem Ganzen vor ihrem Denken sammelten, stimmten zusammen: Bärele war nach Prag spielen gegangen. »Hör mich an, mein Kind, mein gut Kind,« sagte sie nach diesem schrecklichen Augenblicke, »es ist leider gar nicht zu bezweifeln, daß Alles was Du mir erzählt hast, von Wort zu Wort wahr ist. Wie es in mir aussieht, kannst Du Dir denken. Leider Gott! ich muß Dir Recht geben. Mein eigener Sohn hat mich betrogen, hat mir Geld abgenommen, um es zu verspielen. Ich will jetzt nicht sagen, wie das gekommen sein muß; aber wir selbst, seine Eltern, haben es zu verantworten, daß es so gekommen ist, denn wir hätten es verhüten können. Was aber geschehen ist, ist geschehen, und ich muß nur dafür sorgen, daß aus der ganzen Sache nicht noch etwas Aergeres wird.« »Ich werde nichts ansplaudern, Madame Hindel,« betheuerte die noch immer weinende Lisi, »ich nicht. Darauf können Sie sich verlassen.« Hindel lächelte trübe. »Das mein' ich nicht, Du Narrele,« sagte sie, »ich weiß, daß Du zu meinem Unglück nicht noch das hinzugeben wirst, daß Du Dir die große Trommel nmhängst, oder wie der Schulklopser es an alle Thüren hämmerst. Dafür kenne ich Dich zu gut. Wein' auch nicht, und glaub' nicht, daß Du daran Schuld bist. Das ist so in seiner Natur gelegen und ist aus einmal ausgebrochen, wie eine Krankheit, die man lang in sich trägt. Kannst Du da sagen, an Dir sei es gelegen, wenn er krank geworden ist? Das schlag' Dir also aus dem Gedanken, und nimm an, daß es Dich nichts weiter angeht.«

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