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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 268

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 268 (sequence 271)
Language
German
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268 tig an. »Hast ihr gewiß vorgehalten, warum sie den Zins um zwanzig Minuten zu spät gebracht hat? Bärele, unl Gottes Willen, was bist Du doch für ein Mensch geworden! Dazu bist Du Hindels Sohn, daß Du arme Witwen und Waisen so drückst? Lebendiger Gott! wenn Du jetzt schon so bist, was kann aus Dir noch werden? Die Welt wird Dich ja gar nicht aushalten können. Sag, was hast Du mit ihr vorgehabt? Sie hat ja ganz verweinte Augen gehabt!« »Ich weiß nicht, Mutter,« meinte Bärele dumpf. »Du weißt nicht?« schrie Hindel erbost. »Du hast dem armen Mädchen gewiß Vorwürfe gemacht, und darauf ist sie mit Thränen sortgegangen. Das sag' ich Dir aber, wenn Du das Geld nicht noch heute zurückträgst und ihr sagst, daß wir es ihr schenken , so bin ich nicht deine Mutter. Hörst Du? und noch heilte mußt Du es ihr zurücktragen, und selbst, und mußt sie um Verzeihung bitten.« Bärele starrte die Mutter au, wie er vorhin die Nähterin angestarrt hatte. Von Beiden Vorwürfe in einer und derselben Stunde! Es gehörte seine ganze »bärenhafte Natur« dazu, um so etwas zu ertragen. Als die Mutter lange schon geendet, nickte er mit dem Kopfe und sprach halblaut: »Ja, Mutter, ich werd ihr's zurückbringen.« Bärele's Gemüth blieb den ganzen Tag hindurch ein Spielzeug der widerstreitendsten Empfindungen und Gedanken. Als sich sein Kopf von der Wucht der Schläge, die in so kurzer Zeit auf ihn niedergefallen waren, wieder erholt hatte, mtb wieder einige Klarheit iit ihm aufdämmerte, schieden sich diese Empfindungen und Gedanken in zwei hart an einander grenzende Lager. In dem einen wohnte Freude und Enrzückell, ein namenloses Gefühl, daß es Lisi gewesen, die mit ihm gezankt, in dem andern wohnte Groll und Erbitterung, daß die Tochter eines »frommen« Weibes, eine Nähterin, die für die Leute arbeitete, es gewagt

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