Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 259)
- Language
- German
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256 Aber ihre zuwartende Stellung löste sich Ln starres Staunen, endlich in leidenschaftliche Theilnahme an dem Geschicke Bärele's auf. Das Spiel des Knaben hatte, wie man anderswo sagen würde, ihr »Interesse« rege gemacht; unwillkürlich, nicht als wenn es ihr eigenes Kind, sondern ein ganz Fremder wäre, war sie auf seine Seite getreten. Aber Bärele spielte auch — es war wie ein Wunder, das vor den Augen Rebb Ascher's leibhaftig sich zutrug. Im Beginne flimmerte so eine Art spöttischen Lächelns um seineu Mund, doch dieses verschwand allmälig, je kühner und bewußter Bärele in die Windungen des Spieles hineingerieth, um einer gewissen stummen Verbissenheit Platz zu machen. Bärele verstand sich wirklich auf den Franzefuß. Woher? und wie ihm das gekommen, das zu erforschen, fiel weder Ascher noch Hindel in dem Augenblicke ein; sie sahen beide in dem Kinde einen Spieler, für und gegen den sie Partei genommen hatten. Nur einmal ereignete es sich, daß Bärele, der dahin mit eisiger Kälte den immer hitziger werdenden Angriffen sich entgegenstellte, in einer Karte sehlging, worauf Hindel, die den Fehler mit geübtem Blicke sogleich erkannt hatte, einen Schrei ausstieß, als ob Bärele hart an einem gähnenden Abgrund gestanden und in Gefahr gewesen wäre in eine schwindelnde Tiefe zu stürzen. Dadurch wurde Bärele aufmerksam gemacht und verbesserte schnell seinen Fehler. Da hätte man aber den Zorn Rebb Ascher's sehen sollen! Er wurde purpurroth im Gesicht und mit der Faust schlug er auf den Tisch, daß er davon erdröhnte. Dann schrie er: »Was sagst Du ihm ein, Hindel, was er spielen soll? Er spielt ja besser als ich!« »Ascher,« meinte Hindel beschwichtigend, »was ereiferst DuDich? Vergiß doch nicht, mit wem Du es zu thun hast.« Das mußte dem »alten« Spieler wieder die Besinnung zurückgegeben haben; er mochte es fühlen, daß sein väterliches Ansehen unter allen Umständen aufrecht erhalten werden mußte. Sei es nun, daß der Aerger ihn verwirrt,