Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 125 (sequence 128)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2609281-2609284--2638-2609981
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

125 scheint sich größere Regsamkeit einzustellen. Außer einer Zeitschrift, welche Kohn während seiner Anwesenheit in Jerusalem begründet hat, erscheint auch in Constantinopel ein Blatt »O-r Israel,« bereits im zweiten Jahrgang, was nach dem mitgetheilten Inhalte.nicht ohne Verdienst ist. Auch Ln dem wenig civilisirten Staate Marokko scheint sich die Lage der Juden zu bessern, und es sind neuere Berichte über die ihnen daselbst zngestandenen Begünstigungen eingelaufen. An die in eine neue Phase getretenen Zustände der Donausürstenthümer lassen sich nur gute Erwartungen für eine weitere Besserung der Lage der Juden in der Moldau und Wallachei knüpfen. Als ein erfreulicher Beweis der vorurtheilsfreien Gesinnung ist wohl auch anzuführen, daß Dr. Barrasch sonntägliche Vorträge über Anthropologie in Bukarest eingeführt hat, die er in wallachischer Sprache abhält, und die sich eines sehr zahlreichen Zuspruches von Seite der gebildeteren wallachischen Jugend zu erfreuen haben. Ueber die Verhältnisse der Juden in Rußland läßt sich nicht viel Neues, nicht viel Gutes berichten. Die Hetzjagden auf Judenkinder haben beim Ausbruch des Krieges einen noch empörenderen Character angenommen, und die Schilderungen, die uns darüber geboten werden, sind wahrhaft erschütternd. Die Lichtersteuer, welche im Jahre 1848 in Oesterreich abgeschafft wurde, besteht noch in Rußland in ihrer ganzen Gehässigkeit. Noch andere Verationen sind neuerlich eingetreten. Die Regierung hat den Verkauf und die Verbreitung hebräischer Bücher einer noch strengem Controle unterworfen. Alle hebräischen Bücher müssen mit dem Censurstempel versehen werden, und die Staatscasse erhebt eine Abgabe von V/2 Kopeken für sechs Druckbogen. Bei solcher Behandlung glaubte man auch der Loyalität der Juden nicht viel Vertrauen schenken zu können. Nicht nur entfernte man sie von den Grenzen, sondern man verbot ihnen sogar für das Glück der russischen Waffen zu beten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.