Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 123)
- Language
- German
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120 Es gereicht uns zur wahrhaften Befriedigung, in dieser Rundschau voranstellen zu können, daß die schönen Beispiele von Bürgertugend und Vaterlandsliebe durchgängig in der Zunahme begriffen sind und daß darob unser billiger Anspruch an der vollen unverkümmerten Gleichberechtigung Ln den maßgebenden Kreisen immer mehr Eingang gewinnt. Das abgelanfene Jahr gehört einer Uebergangsperiode an. Beginnen wir mit dem Osten, weil die orientalische Frage sich überall in den Vorgrund der Begebenheiten drängt, und unsere heiligen Orte, das Schicksal unserer Brüder alt der Wiege imb am Stammsitz unserer Religion ein Anrecht auf unsere besondere Theilnahme haben. Dr. Albert Kohn, Präsident desCentralcomito's des isr. Consistoriums zrl Paris, bekannt durch seine oft bewährte HingebungfürdieAngelegenheit seinerGlaubensbrüder, übernahm im verflossenen Sommer auf Anregung der Herren von Rothschild eineMission nach demOrient. DerZweckwar dabei vorzüglich, die traurige Lage der Juden in Palästina, welche durch eine schreckliche Hungersnoth heimgesucht worden, zu mildern, intb Vorkehrungen zur dauernden Abhilfe zu treffen. Bei seiner Reise durch Wien hatte Herr Kohn die Ehre, von Sr. Maj. dem allerdurchlauchtigsten Kaiser gnädigst empfangen zu werden und die Allerhöchste Zltstcherung des kaiserlichen Schutzes zu Gunsten der Jllden in Jerusalem zu empfangen. Se. Erc. der Gras Buol-Schanenstein und Se. Erc. der Freiherr von Bach empfahlen auf officiellem Wege dem Jnternulltius Baron Bruck und dem österreichischen Eonsul E. von Pizzimano in Jerusalem diese Angelegenheit auf das Wärmste. Kohn hat über die befriedigenden Erfolge der ihm anvertrauten Mission mündlich und durch den Druck interessante Berichte erstattet. Wer sich mit den Zuständen der palästinischen Juden einigermaßen vertraut gemacht hat, weiß, wie schwierig es ist, selbst mit den besten Absichten und mit ausreichenden Mitteln ausgerüstet, Gutes zu stisteu. Die Haderwasser fließen allzunahe an Jerusalem vorüber, und