Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 107)
- Language
- German
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104 lagsschule des Vereins alle Erwartungen übertraf. Die Leistungen der Zeichenmtb Modellirschule wurden aus den. vorgelegten Zeichnungen mit Anerkennung von den Anwesenden — worunter auch dazu geladene Meister waren — beurtheilt. Die zahlreichen Ardeitsproben, von den Lehrlingen der letzten Lehrjahre verfertigt, boten eine Sammlung der verschiedenartigsten Gewerbserzeugnisse, die zu den besten Hoffnungen berechtigen, wobei keines der bei uns gangbaren Handwerke fehlte. Das Prüfungsresultat bestätigte die richtige Ansicht, daß es sich hier zumeist um Verbreitung moralisch>sittlicher Grundsätze und um ein praktisches Wissen handelt, welches für das sociale und bürgerliche Leben des jüdischen Handwerkers unentbehrlich ist. Es ist ein ganz natürliches Ergebniß der ohne allen eigentlichen Anhaltspunkt erfolgenden Ausnahme, daß es bei einer Anzahl von 162 Zöglingen an Knaben nicht fehlt, die trotz der besten Aufsicht und Mühewaltung den Erwartungen nicht entsprechen, und nicht selten die besten Hoffnungen durch kindischen Leichtsinn vereiteln. Solche mußten, nachdem wiederholte dringliche Ermahnungen fruchtlos geblieben, aus der Liste der Vereinszöglinge ausgeschieden werden, und sind unter beit 23 ausgetretenen, nebst denen, die Krankheits halber oder wegen eingetretener Militärpflichtigkeit das Handwerk verlassen mußten, enthalten. In einzelnen Fällen zeichneten hingegen die Meister ihre Lehrlinge durch besondere Geschenke beim Freiwerden aus, und forderten die bereits in die Fremde gereisten Gesellen zur Rückkehr in ihre Werkstätte auf. Die aus dem Vereine hervorgegangenen Gesellen, deren Gesammtzahl bis nun auf 150 sich beläuft, sind, so weit bekannt geworden, tüchtige Arbeiter und finden in ihrem hier erlernten Handwerke ergiebigen Erwerb. Es ist im verflossenen Jahre in dieser Hinsicht durch ein Legat des seligen Herrn Sigmund Edlen von Wertheimstein, k. k. priv. Großhändlers und Bankdirectors, eine neue Gelegenheit geboten, die Tüchtigsten unter ihnen auszuzeichnen.