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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1855-01-01 · Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855) · p. Seite 64

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 64 (sequence 67)
Language
German
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64 Major Huet hatte Burg prophezeit, er werde nicht lange in Danzig verbleiben, denn wie er sich ausdrückte: Was Gutes, das müsse weiter nach Berlin. Diese Prophezeiung ging bald in Erfüllung. Auf Veranlassung des Prinzen August und des Generallieutenants Rauch wurde zu Berlin eine Artillerie- und Ingenieurschule errichtet. In Folge der sehr gelungenen Zeichnungen, die Burg bei seinemOsficiereramen eingereicht hatte, ward er an derselben zum Lehrer im Artilleriezeichnen mit einer Gehaltzulage von 350 Thalern von der zur Einrichtung der Schule eingesetzten Commission einstimmig erwählt. So ehrenvoll dieser Ruf war, so fiel ihm doch die Trennung von Danzig schwer, da er aus einem wohlthuenden came< radschaftlichen Verhältniß in eine völlig isolirte Stellung gerieth. Auch hätte er gerne den Unterricht im Zeichnen mit jenem in der Mathematik vertauscht, indem er gerade an einer Augenschwäche litt und befürchtete, daß sich das Nebel ßen. Ich trat zu ihm und sagte in einer ihm sehr verständlichen Sprache, wie er sich denn so vor mir demüthigen könne, ich sei so gut wie er ein Abkömmling Israels, wir seien mithin Brüder und Einer nicht mehr als der Andere. Mit einem unbeschreiblich freudigen Blick sah der Alte mich voller Erstaunen an. Er schlug beide Hände hoch über dem Kopf zusammen und schrie in hebräischer Sprache fast überlaut dasGlaubensbekenntniß der Juden. »Höre Israel u. s. w.« Dann sagte er: Gott! Gott! was Hab ich gehört, was Hab ich gesehen, und wollte meine Hand küssen. Um einen Auflauf zu vermeiden zog ich mich schnell zurück und ging rasch und im vollen Lachen weg. Doch als ich mich umsah und den alten Mann mit seinen ausgebreiteten Armen, das Auge nach oben gerichtet, in einer mich segnenden Stellung erblickte, da überfiel mich ein namenlos rührendes Gefühl, mein Mnthwille war plötzlich dahin, und gedankenschwer setzte ich meinen Weg mit dem innigsten Wunsch fort: O, möchte doch der bei den Juden bei solcher Gelegenheit gebräuchliche Segen »der Herr segne und behüte dich u. s. w.« in Erfüllung gehen."

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