Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 63)
- Language
- German
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60 Kenntnissen schon früher hätte thun sollen. Die Triftigkeit dieses Rathes leuchtete Burg bald ein. Rasch entschlossen meldete er sich noch denselben Vormittag bei dem Prinzen August, der damals Generalinspector der Artillerie war. »Ich wurde,« erzählt Burg, »sogleich v.orgelassen und trug dem Prinzen meinen Wunsch, bei der Artillerie als Freiwilliger eintreten zu dürfen, vor. Um mich aber zu vergewissern, und um nicht wieder in eine ähnliche Lage wie beim Garde-Normalbataillon zu kommen, unterließ ich es nicht zu bemerken, daß ick jüdischer Religion sei. Der hochherzige Prinz betrachtete mich einige Augenblicke und sagte dann folgende denkwürdige Worte: »»Das thut nichts zur Sache. — Die Religion, zu welcher Sie sich bekennen, ist durchaus kein Hinderniß. Wenn Sie in die Armee eintreten wollen, um Antheil zu nehmen an dem nur allzugerechten Kampf für König und Vaterland, so ist es natürlich ganz einerlei, ob Sie Jude oder Christ sind. Werden Sie gesund und brauchbar befunden, so steht Ihrer Aufnahme in die Artillerie nichts, gar nichts entgegen, so wie auch Ihr ferneres Fortkommen bei der Waffe durch Ihre Religion nicht beeinträchtigt werden soll.«« Das war die hilfreiche Hand, die Burg aus dem Dunkel zog. Prinz August blieb Burg's Schutzengel und er wußte sich des hohen Schützers würdig zu erhalten. Sein Schicksal lag in seinen eigenen Händen von dem Augenblicke an, als er in Gegenwart seines Compagniechess und vor dem Rabbiner bei der Kanone den Eid als Artillerist auf die Bibel ablegte. Burg befreundete sich gar bald mit seinem neuen Berufe. Nur war ihm der Gedanke peinlich, daß er sich in einer Festung bewegen mußte, während die andern Freiwilligen sich aus offenem Felde herum tummeln konnten. Manche interessante Episode belebte das einförmige Dienstleben. Wir erwähnen nur eine, weil sie an Burg darlegt, daß das Judenthum nicht in auffälligen Manieren liegt. Wie frei er von diesen war, bewerft, daß er Jahre