Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zweiter Jahrgang = Jahr 5616 (1855-1856) (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 30)
- Language
- German
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27 zwischen Vergangenheit und Zukunft. »Wir werden,« sprach der kühne Jüngling, »von heute an aufhören, für Cäsar das tägliche Opfer zu bringen, wir erkennen Cäsar nicht mehr als unfern Herrn an.« Sämmtliche Zeloten jauchzten diesem Vorschlag Beifall zu und er wurde trotz des Widerspruchs der Friedlichgesinnten zum Beschluß erhoben; in einer Revolutionskrisis ist das Volk stets für extreme Maßregeln' und die Kühnen bleiben immer Herren der Situation. So hatten die Zeloten die Schiffe hinter sich abgebrannt, eine Rückkehr war nicht mehr möglich, es blieb kein Ausweg als zu siegen oder -zu sterben. Es verstand sich von selbst, daß die Steuern an den kaiserlichen Fiscus nicht mehr verabreicht wurden; das war der Beginn des Aufstandes, am 25. Sivan (Juni) des Jahres 66. Aber die Optimaten waren auch ihrerseits entschlossen, mit den Zeloten auf Tod und Leben zu ringen; sie hatten Florus und Agrippa flehentlich gebeten, ihnen Truppen zur Behauptung der römischen Interessen zuzusenden, und als die 2000 Reiter von Agrippa eingetroffen waren, begannen sie einen blutigen Bürgerkrieg, der zu ihrem Unheil ausschlug. Am siebenten Ab begann eine Reihe blutiger Gefechte, welche mit abwechselndem Glücke acht Tage anhrelten. Die Optimaten hatten die Oberstadt und den Zion, die Zeloten die Unterstadt und den Tempelberg inne. Jene von dem Feldherrn Agrippa, Philipp b. Jakim, diese von Eleasar b. Anania angeführt; jene kämpften mit regelrechter Tactik, diese mit oem wilden Ungestüm todesmuthiger Freibeitshelden. Am Tage nach dem Holzfeste (Korban Ezim 16. Ab — Juli), gelang es Eleasar, mit seinen Truppen die Gegner aus ihrer Position zu drängen, sie bemächtigten sich der festen Punkte, äscherten das Haus des Hohenpriesters Anan, die Paläste Agrippa's und Berenicens ein und verbrannten das Archiv, worin die Schuldverschreibungen armer Schuldner lagen, deren Loos, im Fall, daß die Schuld nicht getilgt werden konnte, war, als Sclaven ins Ausland verkauft zu werden. Der Hohepriester Anania und sein Bruder