Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 475)
- Language
- German
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373 Und Sehnsucht füllt sein Herz mit Leid und Lust Nach einer mitleidsvollen Bruderbrust! Doch sieh! die weib'schen Bande sind zerschlagen, Wer hat hier Zeit nack seinem Schmerz zu fragen? Fremd wogt um ihn das bunte Marktgewühl, Hier kauft man Alles, nur kein Mitgefühl, Der gold'ne Schlüssel öffnet Herzen nicht, Fremd jeder Ton, fremd jedes Angesicht, Und in der großen Welt, die ganz nun sein, Steht er am Ziele jetzt — fremd und allein! Er blickt empor mit schmerzlichem Verlangen, Da fühlt er plötzlich seine Hand gefaßt; Der alte Nathan ist ihm nachgegangen, Und spricht: „Wenn Du's von mir erfahren hast, So thut mir's Leid; geschehen ist geschehen, Und was von Gott kommt, soll man ruhig tragen. Ich geh' zur Schul' jetzt, willst Du mit mir gehn, So kannst Du für die Mutter Kadisch sagen." Durch enge Straßen gehen stumm die Zwei Und treten schweigend durch des Tempels Pforten. Da murmelts leise von Gebetesworten, Da summt's in altbekannter Melodei, Da füllen sich um Benjamin die Räume Mit Bildern halbvergess'ner Jugendträume. Er hört die Sprache, die dem Kind geklungen, In der, wenn er die Sabbathnacht begrüßt, Sein frommer Vater Psalmen einst gesungen, Mit der die Mutter segnend ihn geküßt; Und wie er hintritt zu dem heil'gen Schrein, Um der Verklärten, vor des Altars Stufen Den letzten Gruß der Liebe nachzurufen Und gläubig stimmet die Gemeinde ein: Da überkommt's ihn wie in frühem Tagen, Er sieht die Mutter, festlich weiß geschmückt, Er hört sie, gegen Osten fromm gebückt, ^M6n j'lle sell'me mdbalr sagen,