Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 461)
- Language
- German
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359 Der hat sich angeschickt zu weiter Reise, Und mit ihm zog dein Friedensschatten weg; Nun steh' ich da, vereinsamt, eine Waise, Der Stange gleich auf hohem Bergessteg. Seit deiner Harfen Saiten sind gesprungen. Mag keines Sängers Stimme ich mehr lauschen; Seit deiner Leichen Wehschrei mir erklungen, Ziemt mir's, mein Kleid mit Bnßgewand zu tauschen. Wie? Allen strahlt des Lichtes Schimmer, Nur dich, nur mich soll Finsterniß bedecken? Wird d-einer nie dein Hort gedenken, nimmer, Die Liebe deiner Jugend nicht erwecken? Nein! flehe, bitte, büße gramerfüllt, Gott tröstet Dich, hebt wieder deine Söhne, Dann schreitest du einher in Schmuck gehüllt, Und laut erschallen deine Jubeltöne. Dann hebt auch mir das Herz sich hoch in Wonne, Die finstern Nebel alle sind gefallen, Dir leuchtet Gott, der Welten ew'ge Sonne, In Deinem Licht die Völker alle wallen. Auch nach Verlauf jener schönen Zeit spanisch-arabischer Bildung war die Lust an Dichtungen weit verbreitet, allein meistens ward die Kunst durch die Künstelei verdrängt; das Raffinement und der Witz ließen selten das gesunde dichterische Gefühl durchbrechen. So mag denn nur noch ein Lehrspruch und eine Grabesinschrift, beide von unbekannten, späteren Dichtern, diese Blüthenlefe beschließen.