Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 338 (sequence 442)
- Language
- German
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338 wies; bald darauf ließ er die Flügel hängen, machte auffällige Fehler und zog sich eine Niederlage zu, die er wohl vermeiden konnte. Als er beim Umblattern der Karten zufällig nach Mirl sah, bemerkte er einen Zug sorgenvoller Traurigkeit auf ihrem Antlitze; unmerklich, aber nur ihm verständlich, wollte er sie ihm zuwinken gesehen haben. Was wollte sie? Um Gottes Willen! hatte er irgend einen Fehler begangen, vor dem sie ihn warnte? Welchen? Er sah schärfer nach ihr hin; die Traurigkeit war noch nicht verschwunden, sie winkte ihm aufs Neue! Nun wußte er es deutlich und klar. Beim zweiten Spiel beschenkte ihn das Geschick mit besseren Karten; allem Anscheine nach konnte er nun so leicht gewinnen, wie man die Hand umdrehte; dennoch beschloß er bei der einmal angenommenen Kriegslist zu verharren, nämlich sich selbst zu schlagen. Der Randar sollte nicht meinen, sein Herz hänge sich au einen Zwanziger. Diesmal beging er noch auffälligere Fehler; der Randar war auch kein Kind im Spiele und benützte jede Blöße Kobi's mit geübtem Scharfblick. Wieder sah Kobi nach geendigtem Spiele nach Mirls Angesicht; jener Zug der Traurigkeit lag noch immer darauf, es kam ihm sogar vor, als ob sie ihn mitleidig anblickte; sie winkte nicht mehr. Lebendiger Gott! was hatte er begangen, er war sich doch keines Fehlers bewußt! Verwirrt, mit Schwindel im Kopfe, dunkel vor den Augen begann er das dritte Spiel. Kobi spielte wieder schlecht; mitten darin sah er zu Mirl hinan; nun bemerkte er gar Thronen in ihren Augen. Zugleich fühlte er, wie unter dem Tische sein rechter Fuß leise, fast zu leise berührt ward. Er sah noch einmal nach ihr hin; tiefes Erröthen zog blitzschnell über das holde Gesicht, um gleich darauf dem traurigen Zuge wieder Raum zu gönnen. Nun trat Todesschweiß aus Kobi's Stirne; das Blut gerann ihm in den Adern. Was wollte sie? Wovor warnte sie ihn? Denn das empfand er im Tiefsten seiner Seele — sie warnte ihn! Etwa, daß er den Vater gewinnen ließ? Konnte das