Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 426)
- Language
- German
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322 schwindlich im Kopie wurde; es verwirrte ihn mehr, als es ihn aufhellte. Nachdem er so viel über eine und dieselbe Person hatte hören müssen, Dinge, von denen wir nicht den hundertsten Theil erzählen konnten, kam es ihm bisweilen vor, als wisse er eigentlich noch gar nichts über den Randar! Ja, wir müssen es offen gestehen, es überflog ihn einmal ein Gefühl von Furcht und Grauen; sein Unternehmen stieg dann vor ihm in sabelhast großen Umrissen auf: es erschien ihm als ein Wagniß, dem vielleicht alle seine Kräfte nicht gewachsen seien! Zum Glücke dauerte diese böse Anwandlung nicht lange. In Kobi's Wesen lag etwas, was sedergleich aufsprang, wenn es auch eine Zeit lang gedrückt worden; wirmeinen sein frischer Muth. Er erholte sich auch bald von dieser Betäubung, und als er aus derGemeinde der „Spöttler" wieder fortfuhr, war auch jede Spur des beengenden Gefühles verschwunden. Der einzige Gedanke': „Was möcht' mein Vater sagen, der mich klüger hält als sich selbst," verscheuchte wie ein reinigendes Gewitter die bösen Dünste der Entmuthigung. — Es war der Abend niedergesunken, als Kobi in desRandars Dorf einfuhr. Schon aus der Ferne erkannte er das Haus an der breiten, behäbigen Fronte, die es gegen die Gasse bildete; es war eine Art Palast gegen die andern Bauernhäuser, wie denn die alten Randarhöfe stets ein gewisses vornehmes Wesen an sich tragen. Jetzt begann in Kobi's Brust sich wieder eine Beängstigung zu regen, die seinHerz pochen machte; lag doch das Lager des „Feindes" vor ihm! Dem Kutscher befahl er langsam an dem Hause vorzufahren, dann aber sogleich herabzuspringen und die Pferde auszuschirren. Pünktlich wurde der Befehl ausgesührt; die „Gelegenheit" schob sich langsam vorwärts; endlich stand sie. In demselben Augenblicke trat aus dem Hause eine große vierschrötige Gestalt heraus, der man auf tausend Schritte den Nandar angesehen hätte. Der Mann hatte ein wahres Löwenangesicht, kühne, grau gefärbte Augenbrauen hingen ihm dräuend herab, während noch zum Ueberfluß ein breiter grauer Backenbart seine starkknochigen Zuge umrahmte. Wenn