Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 424)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2609281-2609282--2412-2609754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
320 Der sei, hieß es, der größte „Grobian," der auf Gottes Erdboden existire, sage den Leuten unaufgefordert Wahrheiten ins Gesicht, die sie lieber nicht hören möchten, genire sich vor keinem Menschen, mache sich auch nichts aus Gott und der Welt. Damit wolle er aber nichtigen, daß es im Randarhof etwa „unjüdisch" zugehe, im Gegentheil, weit und breit, in halb „Pehm" gäbe es kein so frommes Haus. Aber ein Grobian und Flegel sei er, wie kein zweiter existire; man müsse sich außerordentlich in Acht nehmen, um ihn nicht zu erzürnen. Er selbst, der Bestandmann nämlich, habe mit ihm einmal ein „Stückl" vorgehabt, an das er sein Lebtag denken würde. Er habe einmal eine gute „Partie" Wolle von einem Bauer kaufen können, aber das Geld sei ihm ausgegangen gewesen. Da habe er sich gedacht: in der Nähe wohne Nebb Szimche Süß, DerRandar, dem's auf sechzig oder achtzig Gulden nicht ankomme, bei dem wolle er es versuchen. Wie der ihn angeschnauzt habe, das solle seinem größten Feinde nicht zusammen. Er habe ihn fast nicht ausreden lassen, geschrieen und gelärmt mit ihm, als hätte er ssin sämmtliches Hab' und Gut begehrt. „Meinst du. Jüd'," habe er gesagt, „ich Hab' mein Geld nur für dich? ich hält' mit mein' Geld nur Schnorrer zu füttern?" In dieser Stund' Hab' er ausgestanden, um alle Sünden loszubekommen, er hätte an Leib und Leben gezittert. Zuletzt sei die Tochter dazu gekommen, auf die er große Stücke halte, und da sei er plötzlich ein ganz Anderer geworden. Ob er sich vor dem Mädchen geschämt, oder ob Gott eine bessere Laune über ihn geschickt hatte, könne er nicht angeben. Er sei aber über den Schreibtisch gegangen, und habe ihm ohne weiteres Wort das Geld hingeworfen. Zuletzt habe er noch zu Tisch bleiben müssen. An den Tag werde er aber noch ans seinem Sterbebett denken." So erzählte der Bestaudmann. Auch mit dieser Auskunft war Kobi zufrieden, und dankte herzlich dafür. Wenn er es genau betrachtete, so lautete der Bericht, den er jetzt erhalten, doch ganz anders, als er in der ersten „Kille" empfan-