Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 394)
- Language
- German
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289 müsse es die Juden zülassen" — war die These, welche er in eben so kühner als schneidender Weise entwickelte. „Ich habe immer, sagte er, die Verteidigung der Juden ergriffen, weil meiner Ansicht nach der jüdische Stamm das Geschlecht ist, gegen welches das menschliche Geschlecht am meisten Verpflichtungen hat. Wenn ich höre, daß die Zulassung der Juden den christlichen Charakter dieser Versammlung vernichten würde, so sage ich: Eben weil ihr eine christliche Versammlung seid, seid ihr schuldig, ihnen einen Platz unter euch einzuräumen. Wenn ich erwäge, was wir ihnen zu danken haben; daß wir durch ihre Geschichte, ihre Dichtkunst, ihre Gesetze gebildet, getröstet und geordnet wurden; wenn ich mich andern Betrachtungen von einem noch heiligeren Charakter, die hier nicht zu berühren sind, hingebe, so erkläre ich, daß ich als Christ den Nus eines Stammes nicht zurückweisen kann, dem die Christen so viel verdanken. Noch ist ein Grund vorhanden, weswegen ich wünsche, daß England die Rechte der Juden anerkennen möge: Alle Länder nämlich, in welchen sie Verfolgungen zu erleiden hatten, sind selbst in ihrer Macht und ihrer Thatkrast getroffen und geschlagen worden, und dies ist in meinen Augen ein sichtbares Zeichen des Schutzes, den Gott diesem Volke gewährt; seht aus Spanien, auf Portugal und Italien! . . . . In England haben die Juden eben nicht sich über den Fortgang zu beklagen, welchen die öffentliche Meinung zu ihren Gunsten genommen; sie sind übrigens ein Stamm, der warten kann, ein Stamm, der morgen nicht verschwinden wird, wenn man heute nicht seine Rechte anerkennt. Es ist ein altes Volk, ein berühmtes Volk, ein Volk der Dauer, ein Volk, das im Allgemeinen zuletzt das erreicht, was es will. Ich hoffe sicherlich, die Parlamente werden ewig währen; aber ich kann nicht ganz vergessen, daß die Juden die Könige Assyriens, die Pharaonen Egyptens, die römischen Cäsaren und die arabischen Chalisen haben an sich vorübergehen sehen, und so suhl' ich für sie keine Eile, und es ist nicht nöthig, daß ihretwegen der -öffentlichen Meinung Gewalt geschehe." 19