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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1854-01-01 · Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854) · p. Seite 286

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 286 (sequence 391)
Language
German
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286 versagten. Die Organisation der ^nranäe8 schloß sie von jeder Theilnahme an der nationalen Arbeit aus; bei Verhältnissen, unter denen die Laune eines Ministers ein ausreichender Grund war, um ihnen ganz eigentümliche und im höchsten Grade drückende Steuern aufzulegen , ja selbst sie von Haus und Hof und aus dem Lande zu verjagen, konnte es nicht Wunder nehmen, wenn sie ihre ganze Intelligenz und Thatkraft, ihre sprichwörtlich gewordene Energie ausschließlich dem Handel zuwendeten. Seit sechzig Jahren haben nun in dieser Hinsicht unbestreitbar große Veränderungen stattgesnnden; ein liberaler, großherziger Geist humanen Fortschrittes hat sich in der Gesetzgebung geltend gemacht, ohne daß jedoch die Gesittung im Volke mit dieser stets gleichen Schritt zu halten vermocht hätte, denn noch bestehen veraltete Vorurtheile im Elsaß und vergebens beurkunden dort die Israeliten Intelligenz und Arbeitslust in fast unglaublichem Grade; vergebens lassen sie sich weder durch harte mühsame Arbeit noch durch Beschäftigungen der untergeordnetsten Kategorie abschrecken. Elende, verächtliche, zur Verzweiflung treibende Behandlung ist und bleibt doch noch häufig ihr Antheil. Grundlose Verleumdung aber ist die Behauptung, daß dem Juden das Handwerk, namentlich das schwere, ein Greuel sei und daß er den Ackerbau verachte. Im Gegentheil gibt er sich nunmehr dort ausschließlich dem Handelsverkehr hin, wo ihm keine andere Wahl in der Handhabung irgend eines Erwerbes gelassen wird. Der Zweck nun, den die wackeren Gründer der Schule für Künste und Handwerke im Auge hatten, war und ist die Beseitigung dieser betrübenden Verhältnisse, die Vorbereitung junger Israeliten für eine echt industrielle Laufbahn» Die Schule, welche in einem Hause begründet wurde, das die Anstalt der Freigebigkeit des Herrn Louis Ratisbonne, Präsidenten des israelitischen Consistoriums verdankt, nimmt gegenwärtig vierzig Arbeitslehrlinge aus allen Theilen des Elsaß auf. Zur jeweiligen Besetzung eines solchen Platzes

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