Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 382)
- Language
- German
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276 lichen Scala. Man ist in der Regel religiös und tugendhaft, denn in der Regel soll man es ja auch so sein, befolgt auch wohl zu Hause in der Regel die religiösen Speise- und Ceremonialgesetze, so viel es sich eben thun läßt; allein man ist sich immer des famosen logischen Satzes bewußt: nulla regeln 81N6 exeeptlone (keine Regel ohne Ausnahme), und so bestimmen eben die Umstände, ob man heute als Regulairer und morgen im Ausnahmszustande sich befinden wird. — Bei alledem ist eine innige Anhänglichkeit an die Religion der Väter und eine Antipathie für Religionswechsel bei unseren Glaubensgenossen in der Walachei eine sehr in die Augen fallende Erscheinung, und bei aller Mühe, die die englischen Missionäre seit Jahren sich geben, um ein erkleckliches Contingent dem anglicanischen Paradiese anzuwerben, haben dennoch diese Werbungsversuche kein günstiges Resultat geliefert; und für die Tausende von Pfunden, die die englische Missionsgesellschast seit vielen Jahren in der Walachei zur Bekehrung der Juden verköstiget hat, kommt ihnen das Vierteldutzend von Täuflingen wahrlich etwas zu hoch zu stehen! — Beinahe könnte man mit Shyloc ausrufen: „Ein Pfund Fleisch für ein Pfund Geld!" — Was die Erziehung der israelitischen Jugend betrifft, so bestehen jetzt in Bukarest zwei öffentliche Schulen, die eine unter dem Namen „ österreichisch-preußische israelitische Knaben- und Mädchenschule", die andere unter dem Namen „Knabenschule für die Kinder israelitischer Raja's." — Mit diesen beiden Schulen hat es folgendes Bewandtniß. Von jeher hatten die Juden in Bukarest einen Aufschlag auf das Koscherfleisch, dessen Ertrag von den Epitropen (Vorstehern) der Gemeinde (die immer nur Raja's sein durften) eincassirt und zu Gemeindezwecken verwendet werden sollte. Jahre, ja viele Jahre vergingen und man konnte nicht recht bemerken, zu welchen Gemeindezwecken eigentlich diese Gelder verwendet wurden? So standen die Sachen bis zur Ankunft des gegenwär-