Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 207)
- Language
- German
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98 die Pflichtexemplare, die dieser Behörde zukommen nnd in das jüdische religiöse Gebiet einschlagen, der Schulbibliothek zugewiesen werden. Die höheren Klassen der hiesigen Religionsschule umfassen : die Schüler der Unter- und Oberrealschule und sämmtlichec Gymnasialklassen; ferner die obere Mädchenklasse und die Lehrer¬ und Lehrerinnen-Candidaten (Präparanden). Bibel in der Ursprache — „Sprüche Salom." Psalmen und Propheten inbegriffen — Geschichte des israelitischen Volkes bis zum Untergänge des zweiten Tempels, Religions- und Sittenlehre, Ritual- und Ceremonial-Gesetz, endlich, in den zwei obern Gymnasial-Klassen, Religionsgeschichte — allgemeine und specielle des Judenthums bis zum Abschlüsse des Talmuds — bilden, nach Stoff und Behandlungsweise, je nach dem Alter und der Bildungsstufe der Schüler vertheilt, die Lehrgegenstände der Schüler-Klassen. Die Mädchen haben in dieser obern Klasse, nebst dem vollständigen Religionsunterrichte, auch Uebersetzung geeigneter hebräischer Gebete und ist deren Empfänglichkeit und Wichtigkeit selbst für diesen letzter« Lehrgegenstand eine sehr erfreuliche Erscheinung. Für die Präparanden, beiderlei Geschlechtes, ist je ein zweijähriger Lehrkursus eingeführt; im ersten, theoretischen, Jahre werden ihnen Vorträge über Lesestoff und Lehr art (Methode) gehalten, im zweiten, praktischen Jahre müssen sie beim Unterrichte der Schüler-Klassen anwesend sein, und diesen zur eigenen Uebung und Erprobung in Gegenwart des Religionslehrers zuweilen selber ertheilen. Die Gesammtzahl der Schüler in diesen obern Klassen hob sich in den letztem Jahren auf mehr als 250, worunter einige und neunzig Gymnasialschüler, und es ist diese bedeutende Zunahme der Frequenz nicht bloß der gesteigerten israelitischen Bevölkerung, als vielmehr der immer klarer sich herausstellenden Ueberzeugung von der Unergiebigkeit des Privat-Unterrichtes zuzuschreiben. Schließlich ist zu bemerken, daß die Lehrgegenstände für die Real- und Gymnasialschüler mit Ausnahme der 7. und 8. Gymnasialklasse, welche erst im Jahre 1848 hinzugekommen, und für welche ein neuer Lehrstoff geschaffen werden mußte, dieselben sind, wie Herr Breuer sie im I. 1836 eingeführt und ausgearbeitet hat. Neu hinzu gekommen sind in den letzten Jahren nebst den ebengenannten zwei obern Gymnasial-Klassen, die Vorträge für weibliche Präparanden und, nach zweijähriger Unterbrechung, die obere Mädchenklasse, mit welcher die Uebersetzung hebr. Gebete in diesem Jahre versuchsweise, aber mit gutem Erfolge zum ersten Male genommen wurde.