Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 185)
- Language
- German
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Die Anzahl der jüdischen Lehrlinge in Wien war nun die bedeutende von 137. Lehrgelder wurden keine mehr gezahlt. Die Behörden und Innungen, durch den Verkehr mit dem Verein mit dessen Wirken vertraut, boten dankenswerthe, hilfreiche Unterstützung in allen vorkommenden Fällen. Zn Folge eines k. k. Hofkanzlei-Decretes vom 5. Februar 1844 ist durch Einschreiten des Vereinsvorstandes den israelitischen Gewerbs- und Fabriks-Unternehmern, eben so wie ihren christlichen Kollegen das Recht der Gesellenbildung ohne Unterschied der Confession ertheilt worden. Der durch die eingeschlagene Richtung gegebene Impuls begann auch auf die Kronländer einzuwirken. Die Lemberger israelitische Gemeinde benutzte den zu Gewerbsstipendien ans dem Domesticalfonde bewilligten Betrag von 500 fl., um einige ihrer Waisenkinder der Leitung des Vereins gegen theilweise Vergütung der zu machenden Auslagen anzuvertrauen. Die Resultate dieses Jahres übertrafen somit alle Erwartungen. Der Zndrang zum Handwerke wurde im Jahre 1845 so groß, daß die Vereins mittel allen Petenten unmöglich genügen konnten. Eine Auswahl bei der Ausnahme war um so dringender nothwendig. als nicht selten arbeitsscheue Betteljnngen kamen, welche nach wenigen Wochen ihren Lehrort wieder verließen und die Erschwerung der begonnenen Unterbringung nebst bedeutenden Geldanlagen verursachten. Die Lehrmeister, gewohnt eine den Israeliten gegenüber im Leben übliche Solidarität für Vergehen Einzelner geltend zu machen, waren dann zu einem zweiten Versuche schwer odergar nicht zu bewegen. Die Bildung eines tüchtigen, kräftigen H andw erks stand es unter den vaterländischen Glaubensgenossen verlieh dem Vereine einen eigenthümlichen, von andern Armen-Unterstütznngs-Vereinen ganz verschiedenen Charakter, und es wurden für die Aufnahme