Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, erster Jahrgang = Jahr 5615 (1854-1855) (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 133)
- Language
- German
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19 in anerkannter Weise. Sehr geschickte Ingenieure, wie namentlich Landauer aus Wien, sind im Staatseisenbahndienst in der Lombardei verwendet. Endlich sind auch im Lehrfache die Anstellungen des vr." Wessely als Professor des Strafrechts an der Hochschule zu Prag und des Di. Goldenthal als Professor der hebräischen Literatur an jener zu Wien erfolgt. Allerdings aber muß mit tiefem Bedauern hinzugefügt werden, daß Andere den Weg zur Lehrkanzel nur durch die Kirche zu machen vermochten, wie z. B. der Rechtsgelehrte Dr. Joseph Unger, der Chemiker Theodor Wertheim aus Wien, ersterer als Professor des Civilrechtes in Prag, letzterer als Professor der Chemie in Pest augestellt; Auspitz Professor und Direktor der Realschule zu Brünn, Pick Gymnasialprofessor u. a. Dagegen sehen wir höchst talentvolle Individuen ein gleiches Ziel vergeblich allstreben, so lange sie sich nicht entschließen können, ihre religiöse Überzeugung zu verleugnen. Hierin liegt auch der Grund der Selbstverbannung mancher höchst begabter Jünger der Wissenschaft, die berufen erschienen, sie im eigenen Vaterlande würdig zu vertreten. So der als Physiolog und praktischer Arzt in Paris hochgeehrte vr. Gruby, ein geborner Ungar, und der von der französischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnete Physiker Wilhelm Wertheim aus Wien. Damit steht aber das neunzehnte Jahrhundert dem sechzehnten nach. So finden wir z. B. in Carmoly's Annalen den Tod Abraham de Balme's im Jahre 1523 verzeichnet. Er war als Professor an der Universität zu Padua eingestellt, und machte sich durch Übersetzung wissenschaftlicher Werke aus dem Lateinischen verdient. In diesen Verhältnissen ist auch der Grund zu suchen, warum so viele Juden sich dem publicistischen Berufe hingeben. Es ist dies nicht nur bei uns sondern überall derFall, wo das Glaubensbekenntniß der Staatsanstellung in den Weg tritt. So bedauerte kürzlich ein preußisches Blatt, daß unter zwanzig tüchtigen Journalisten gewöhnlich zwei Drittel Juden find. Ein bekanntes Witzblatt erwiedert darauf: es ist noch weit mehr zu bedauern, daß unter zwanzig tüchtigen 2*