Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 8 (August 1901)
- Article
- Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
- Date
- 1901-08-01
- Page
- Seite 593 - 594 (sequence 1)
- Language
- German
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593 594 STIFTSHUETTE, TEMPEL- UND SYNAGOGENBAUTEN. Von Professor Dr. D Joseph. Einleitung. Bevor wir uns der Betrachtung der künstlerisch wertvollen Synagogen zuweriden, mögen einige Bemerkungen über die ältesten jüdischen Gotteshäuser angebracht erscheinen. Ich meine vor allem die Stiftshütte und die Tempel auf dem Berge Moria. Aber schon bei nur oberflächlichem Hinsehen erkennen wir, dass die Tempelanlagen der Juden aus der Zeit ihrer politischen Unabhängigkeit grundverschieden von denen waren, die in der Diaspora errichtet worden sind. Die prinzipielle Divergenz liegt in der grundsätzlichen Verschiedenheit der gottesdienstlichen Handlungen von einst und jetzt. Schon der eine Umstand, dass Tieropfer dem Ewigen dargebracht werden mussten, machte Einrichtungen notwendig, auf welche der heulige Architekt keine Rücksichten zu nehmen braucht, und man wird verstehen, dass die Grund- und Aufrissgestaltung im wesentlichen von dieser ersten der Vorbedingungen abhängt. Bei dieser Verschiedenartigkeit derGrund- 0 WE idee können wir uns einstweilen auf die Wiedergabe des Unerlässlichen und Notwendigen beschränken. Wir hoffen, dass ein besseres Verständnis auch für die Eigenart der heuti gen Sy nago genbauten wesentlich durch folgende generelle Angaben über den altjüdischen Tempelbau erzielt w erden wird. zusehen. Dieselbe teilt mit den späteren palästinensischen Tempeln den bemerkenswerten Vorzug, dass sich darüber eine ganze weitschweifige Litteratur gebildet hat, welche gerade geeignet ist, denMangel einer solchen fürdiespäterenZeitennoch mehr hervortretenzu lassen. Von allen Versuchen einer verständigen Rekonstruktion gebe ich derjenigen des Architekten Max Fleischer den Vorzug, welche er gelegentlich eines Vortrages im Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Verein vorlegte.1) Danach haben wir die Stiftshütte als ein transportables Zelt von 4,84 m2) Breite und 14,52 m Länge zu betrachten. Der Vorhof (Fig. 1) selbst x) Zeitschrift des Oestr. Ingenieuru. Architekten-Verein, 1894, S. 253. 2) Wir geben hier nach Fleischer gleich die Zahlen in unserem Metermass, bemerkend, dass die heilige Elle dem Masse von 0,4839 m entspricht. U 'Sund f|s}eelad« WASCH BECKIN l"f i 11 I f. i H-f- 4°- Fig. 1. Anlage der Stifthütte mit dem Vorhofe. Die Stiftshütte. Als das älteste Gotteshaus der Juden ist die Stiftshütte an- Aussenansicht Schnitt. Figr. 2. Konstruktion der Umhänge des Vorhofes.