Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1901)
- Article
- Ein Beitrag zur palästinensischen Volkskunde
- Date
- 1901-07-01
- Page
- Seite 545 - 546 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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545 Miscellen. 546 Beispiele dafür anführen, dass dieses Buch, trotzdem es die 60000 Juden des Erez Israel ganz unberücksichigt lässt, verdient von jedem Juden gelesen und geliebt zu werden. Noch eine Lehre aber erteilt uns das Buch, und die liegt auf einem anderen Gebiete. Wir sehen wieder und wieder, dass die Hüter Israels nicht schlafen und nicht schlummern. Der Verfasser führt unter seinen Mitarbeitern evangelisierte Araber auf, wir wissen, dafs deutsche und französische Katholiken mit Eifer unter der einheimischen Bevölkerung Mission treiben und dass es in den Hafenstädten einige Tausend katholische Araber giebt, die halb französisch -geworden sind, von anderen Mächten und ihren Sendlingen zu schweigen. Es ist dafür gesorgt, dass unsere Brüder in diesen Ländern kein Schlaraffenleben führen können, sondern einen heissen Kampf um's Dasein führen müssen. Mit der Gründung des deutsch-mosaischen Hilfsvereins ist jedenfalls ein überaus verheissungsvoller Anfang gemacht, jüdisches Volkstum im Orient zu diesen, unausbleiblichen Kämpfen zu stählen! —a. APHORISMEN. ,,Wer mir den Anspruch auf mein deutsches Vaterland bestreitet, der bestreitet mir das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, auf die Sprache, die ich rede, auf die Luft, die ich atme. Darum muss ich mich gegen ihn wehren — wie gegen einen Mörder." Gabriel Riesser. & Die Juden sind bis zum Anfang des Jahrhunderts nicht nur eine unterdrückte Nation gewesen, sie sind schlechter behandelt worden als die Sklaven, das sind wir heute nicht mehr. Wenn wir von der praktischen Anwendung der sogenannten verbrieften Rechte so manches wieder verloren haben, so müssen wir doch dankbar sein, wenn Sie wollen, dem Geschick oder unserer Thätigkeit, dass wir eine Umwandlung erlebt haben, die geradezu wunderbar ist, dass eine Nation, die Jahrtausende hindurch sich in Unterdrückung befunden hat, noch heute besteht, und noch wunderbarer erscheint es, dass diese Nation in einer Geschwindigkeit, wie sie ohne Beispiel in der Geschichte ist, mit einer so grossen Elastizität zu einer Entwickelung, zu einem Erfolg sich emporgearbeitet hat, welche den anderen, welche uns tausendfach an Zahl und Macht überlegen sind, Furcht erregt und ihren Neid erweckt. Dieses kleine Kontingent von Menschen, gedrückt und geknechtet bis zum Anfang des Jahrhunderts, trägt heute schon die Furcht hinein in die grosse Masse von hochgebildeten Männern, dass die paar armen Menschenkinder sie aus ihren Stellungen verdrängen könnten. Aber das steht fest, dass diese sonderbare Erscheinung unsere Hoffnung für unsere Zukunft befestigt. Dr. M. Wiesenthal. Ein Volk, das trotz jahrtausendelanger Zerstreuung noch immer von äusseren und inneren Gründen gehindert wird in seiner Umgebung aufzugehen, das dadurch zur Solidarität gezwungen wird, und welches jährlich Hunderttausende seiner Volksgenossen den Wanderstab ergreifen — ziel- und planlos über die Strassen der Erdteile und der Weltmeere ziehen sieht — ein solches Volk muss früher oder später zu einer bewussten Auswanderungspolitik gelangen. \1 " U. , * i';i;j Sl* .< JUDB E. M. Lilien. Farbige Einbanddecke zu „Juda", Verlag F. A. Lattmann, Goslar.