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Ost und West · 1901-07-01 · Heft 7 (Juli 1901) · p. Seite 543 - 544

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 7 (Juli 1901)
Article
Professor Joseph
Date
1901-07-01
Page
Seite 543 - 544 (sequence 1)
Language
German
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543 544. MISCELLEN. Professor Joseph, den unsere Leser schon in einer früheren Arbeit in „Ost und West" kennen gelernt haben, und dessen Portrait wir heute bringen, ist trotz seines jugendlichen Alters von 38 Jahren in kunstwissenschaftlichen Kreisen wohlbekannt. Seine Forschungen erstrecken sich auf die verschiedenartigsten Gebiete, besonders Bau- und Kunstgeschichte Berlins, belgische und französische sowie italienische Kunst. Eines seiner bekanntesten Werke ist das auf Schliemann^s Anregung verfasste: „Die Paläste des homerischen Epos." Von sonstigen Werken Josepbfs Prof. Dr. D. Joseph. seien noch erwähnt: „Die moderne Architektur", das Tafelwerk „Architektonische Meisterwerke in Deutschland, Belgien, Holland und der Schweiz" sowie die „Kirchliche Baukunst in den Stilarten des Mittelalters" (letzteres gemeinsam mit dem Strassburger Dombaumeister Aug. Härtel verfasst). Wir machen unsere Leser auf die im nächsten Hefte von „Ost und West" beginnende Serie ..Stiftshütte und Tempelbauten" aufmerksam. Von der mit zahlreichen Illustrationen geschmückten Abhandlung wird eine Separatausgabe beabsichtigt. * Ein Beitrag zur palästinensischen Volkskunde. Ich erlaube mir, die Aufmerksamkeit des Leserkreises von „Ost und West" auf eine Publikation eines evangelischen Gelehrten zu lenken. Das jüngst im Verlage von I. C. Hinrich's Buchhandlung in Leipzig erschienene Buch heisst Palästinensischer Divan. Verfasser ist der Leipziger Theologieprofessor Gustav W. Dalmann. Der Autor hat während einer fünfzehnmonatlichen Anwesenheit in Palästina und Syrien das Leben der Araber und Beduinen dieses Landes belauscht, und von der Ueberzeugung ausgehend, dass diese Welt bald unter den Wellen abendländischer Kultur begraben sein wird, die naiven Lieder der Bauern, Hirten, Beduinen und Städter gesammelt und mit poetischer Uebertragung herausgegeben. Unzweifelhaft hat der Verfasser sich dadurch ein grosses Verdienst erworben. Für jedermann, welchem Kulturkreise er auch angehöre, ist es ein hoher Genuss, diese Naturlaute zu vernehmen, den Juden aber muten sie doppelt vertraut und bekannt an. Was Renan in seiner Geschichte Israels bemerkt, dass das Leben der heutigen Beduinen in vieler Hinsicht dem der jüdischen Stammväter gleicht, findet auch in diesem Buche eine Stütze. Etwas Biblisches wehen uns diese Lieder zu. Wir sehen die Hirten ihre Herden singend zur Weide treiben, hören ihre Scherzreden, ihre Liebeslieder, wir vernehmen die schelmischen und derben Gesänge der Drescher, die anmutigsten Scenen altjüdischen Lebens entrollt uns ein Lied über die Beschneidungsfeier, die Wettgesänge der Volksdichter rufen uns bekannte Töne zu. Vieles gemahnt uns an die Idylle des Buches Ruth, manches an die Schönheit des HohenLiedes. Aber auch die moderne Stoffe behandelnden Lieder glauben wir zu kennen. Wir fühlen, dass ein uns verwandtes Volk in einer Sprache zu uns spricht, die wir auch redeten, als wir noch Kinder waren und im Geist unserer Kindheit lebten. „Drei Sterne im Lande des Ostens glänzen Sie versetzen dem Herzen drei schlimme Schläge. Man brachte mir den Arzt, und er sagte: Ick denke nicht, Ich denke nicht, dass er genese von den Wunden der Liebe." Dieses wundervolle kleine Gedicht, das in seinen vier Zeilen nur Gold und Edelsteine enthält, ist nicht von Frug, sondern in der Gegend von Jerusalem erwachsen und von arabischen und vielen jüdischen Dichtern erlauscht und in ihre Sprache übersetzt. Wem tauchen nicht Bilder jüdischer Vergangenheit auf bei der Lektüre folgenden Gesprächs zwischen einem Hirten und seinem Leithammel. Der Hammel: Nicht sollst Du mich schlachten, o Hamad. Du entfernst von meinem Hals die Glocke! Schlachtest mich für die Tochter des Mehenig, Und alle essen und weiden sich. Denkst Du nicht an die Zeit des Schlummers? Du rufst mir, und ich komme zu Dir sogleich, Und schneller als das Werfen des Steins, Und rascher als das Abschiessen der Schleuder. Der Hirt: Geh' hin! Nicht lasse Dich Gott zurückkehren, — Deine Tochter wird statt Deiner Leittier. In der Milch ist sie besser als Du Füllt die Holzschüssel sofort. Und ich schlachte Dich für die Mädchen, Deren Wangen gleich dem Käse des Schlauchs. Köstlich ist die Naivität des modernen Jakob und seines Selbstgesprächs. Und so Hessen sich noch viele

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