Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1901-06-01 · Heft 6 (Juni 1901) · p. Seite 467 - 468

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 6 (Juni 1901)
Article
Aphorismen. Capfigue, M.
Date
1901-06-01
Page
Seite 467 - 468 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2583876-2583883--00605-2609017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

467 Aphorismen. 468 Nationalgebräuche sich bewahrt. Das jüdische Volk hat kein Vaterland mehr; der Boden, der seine Könige gesehen und seine Priester und seinen heiligen Tempel, ist der Fremdherrschaft anheimgefallen. Während jedoch alles um es her sich ändert, scheint Israel seine Altäre mit neuer Kraft zu umfassen und gerade aus seinem Unglück eine absolute Unterordnung unter die Institutionen der Väter herzuleiten. Wie seltsam! Dieses Volk, welches in seinen gyiten Zeiten in stets sich wiederholendem Abfall dem Moloch, dem Baal und den Göttern Assyriens diente — heute, da Jehova sich ihm nicht mehr in seinen Wundern offenbart, scheint es seinen Glaubenseifer zu verdoppeln, obwohl er nicht mehr durch die Blitze des Sinai, noch durch die Worte der Propheten genährt und befestigt wird. M. Capfigue. Histoirc philosophique des Juifs. * „.....Und nun, hochverehrter Herr Professor, lassen Sie sich auch sagen, warum ich und meine Glaubensgenossen, die gleich mir •denken und fühlen, gleich mir Deutschland als ihr Vaterland verehren und kein anderes kennen, noch erstreben — dennoch sich nicht taufen lassen: ,weil der Uebertritt von einer Religion nur dann ehrenhaft und anständig ist, wenn der Uebertretende von der überwiegenden Trefflichkeit der neuen Religion nicht nur, sondern auch von der Minderwertigkeit der alten überzeugt ist, weil der Uebertritt ohne eine solche Ueberzeugung frivol, heuchlerisch, feig, entwürdigend, meineidig, pietätlos und geschichtswidrig ist, insofern der Uebertretende ■den geistigen und seelischen Zusammenhang mit seinen Ahnen und seinen Leidensgenossen löst." Emil Lehmann (Offener Brief an Friedrich Paulsen ). * Ich weiss, dass ich eine der deutschesten Bestien bin, ich weiss nur zu gut, dass mir das Deutsche das ist, was dem Fische das Wasser ist, dass ich aus diesem Lebenselement nicht heraus kann, und dass ich — um das Fischgleichniss beyzubehalten — zum Stockfisch vertrocken muss, wenn ich — um das wässrige Gleichniss beyzubehalten — aus dem Wasser des Deutschthümlichen herausspringe. Ich liebe sogar im Grunde das Deutsche mehr als alles in der Welt, ich habe meine Lust und Freude dran, und meine Brust ist ein Archiv deutschen Gefühls, wie meine zwey Bücher ein Archiv deutschen Gesanges sind. Heine, in einem Briefe an Dr. Christiani, datiert: Verfluchtes Nest-Göttingen, den 7. März 1824. (Deutsche Rundschau.) Und heute schon lässt man solche Künstler, deren Kunst, hohen und sittlichen Gehaltes voll, mit suggestiver Gewalt die vSeelen bannt — in Nichtigkeiten ihres Lebens Zweck verfehlen und — untergehen. Das aber ist der Gesellschaft Sünde wider den Geist. Denn s o reich ist keine Nation, dass sie den Verlust der Erzeuger ihrer geistigen Werte lange ertragen könnte! Es geht rapid abwärts, wenn das Zahme, Leere und Nichtssagende geliebkost, das Ernste, Grosse hingegen nicht ins Leben gerufen wird. . . . Maler E. Klotz. :■■[.->i -' w r' '$*W % " * V* ' :r^->. Rabbi Samuel Aid eis (Mh rscha). Rasse ist alles; es giebt keine andere Wahrheit. Benjamin Disraeli.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.