Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1901)
- Article
- Rabbi Jitzchak Alfasi [Illustration]
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 465 - 466 (sequence 1)
- Language
- German
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465 466 APHORISMEN. Die nationalen Krisen haben ebenso wie die der Natur ihre Blitzschläge, und ein solcher war Cromwell. Er scheint wie in die Welt hineingeworfen, wie in die Katastrophe hineingeschleudert zu sein, um mit ihr zu verschwinden . . . Auf dem Schlachtfelde ist er der grosse Feldherr, stets kampffertig, jeder Lage gewachsen und siegreich. — Ausserhalb seiner kriegerischen Betätigung scheint er unsichtbaren Einflüssen unterworfen zu sein, eine sonderbare Mischung einer praktischen Natur und einer Art von unirdischem Fatalismus, der Folge einer höheren Mission, und diese Kombination scheint mir CromweH's Stärke zu erklären. Dieser geheimnisvolle Symbolismus dürfte es gewesen sein, der auf die Juden des Ostens einen solchen Eindruck machte, dass sie eine Deputation nach England sandten, um sich zu erkundigen, ob er in Wirklichkeit der Messias sei. John Morley. * Das Christentum musste vielleicht eine so ungeheure Ausbreitung gewinnen, damit dieser gewaltigen Mehrheit gegenüber sich die Wahrheit des Judentums schon einfach durch seine Existenz beweisen konnte. Felix Pinkns. * ■ - " \/ v .; . v-V- . . ■ ■ .'-v'--' - -4 .... : " ■' -*&ä<£L°* / 1« r. ' ■ ■ i- JF' ■ %?-f,v f m WP^^si. Rabbi Jitzchak Alfasi, 1023-1103. Ich denke, dass die Welt sich täglich mehr und mehr der jüdischen Auffassung vom Leben nähert. Das Christentum hat sich als ein Fehlschlag erwiesen. Man sehe, wie die christlichen Nationen heute einander wie die Wilden bekriegen. Welches Schauspiel bieten die vereinigten Armeen in China! Der Kamp! der Zukunft wird zwischen dem alten Judaismus und dem neuen Heidentum sein. Gerechtigkeitssinn ist, was die Welt heute braucht - solche Gerechtigkeit, wie sie von den grossen jüdischen Propheten gepredigt und prophezeit worden ist; und ich glaube, es wird der jüdischen Rasse vorbehalten sein — ob als eine Mustergemeinschaft in Palästina oder als eine über die ganze Welt verbreitete Armee von Geisteskämpfem — dieses Bedürfnis zu befriedigen und der Gerechtigkeit ihren Thron zu errichten in den Herzen der Menschen. (Israel Zangwill.) Ueber den Einfluss hebräischer Poesie auf europäisches Geistesleben. Wie hoch man auch die Mitwirkung der indischen Fabel- und Lehrdichtung, der indischen Märchenfülle zur Fabel- und Märchendichtung anderer Völker anschlagen, welchen Wert man dem Einfluss beilegen mag, den die pessimistische Buddhalehre nach drei Jahrtausenden in der überreizten neuen Kultur des Westens gewann,, immer bleibt gewiss, dass Verbreitung und Nachwirkung der Poesie der „Arja" nicht von ferne mit der Verbreitung und Nachwirkung der hebräischen Dichtung verglichen werden können.. Die Poesie und Litteratur des kleinsten unter den Völkern semitischen Stammes ist durch die wundersamste Gunst der Umstände der Urquell eines gewaltigen Teiles der Lyrik und der epische Hintergrund für Tausende von Schöpfungen der mittelalterlichen und neueren Litteratur geworden. Stern. Geschichte der Weltlitteratm:.. Kein merkwürdigeres Schauspiel bietet die Geschichte, als die Existenz des jüdischen Volkes während des Mittelalters und in der modernen Gesellschaft. Während alle die grossen Nationen des Altertums mit samt ihren Gesetzen und Institutionen verschwunden sind, und die Zeit die unermesslichen Weltreiche der Perser, Aegypter und Assyrer zerstörte, hat sich ein kleines Volk, das selbst zur Zeit seines Glanzes fast unbekannt war, aus dem Schiffbruch gerettet und mitten in der allgemeinen Vernichtung seine Sitten und