Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1901)
- Article
- Stefan Zweig. Silberne Saiten. (Rezension)
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 463 - 464 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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463 Miscellen. 464 und obgleich sie die exklusivsten Artisten in der modernen deutschen Litteratur, zeigen sie eben durch diese artistische Exklusivität die allgemeinere, feinere Tragik der Juden an, die in der Losgelöstheit von den bodenständigen Lebensbedingungen besteht. Einer aus dem Kreise, der Novellist Beer-Hoffmann, hat übrigens jüngst offen die Macht des (jüdischen) Blutes auch über den künstlerischsten Künstler ^erkannt, und der Weg, der vor manchen anderen aus diesem Kreise liegt, wird sie gewiss ebendorthin führen. — Zu den Wiener Poeten gesellt sich nun ein neuer Ankömmling von jüdischer Abstammung, der Lyriker Stefan Zweig, der eben sein erstes Gedichtbüchlein herausgegeben. Er weist die charakteristischen Eigenschaften dieses Wiener Dichterkreises am und bringt noch eine bedeutend grössere Tiefe hinzu. Dadurch erhält die Reihe seiner Lieder etwas apart Psychologisches, und die ganze Sammlung mag als ein lyrisches Tagebuch angesehen werden. Aber er kann auch allgemein menschliche, eigentlichste Lyrik geben: in den Gedichten „Sternenglaube", „Du" und „Verstummter Wind". In allen seinen wohllautenden Gedichten aber offenbart sich ein ausserordentlich echtes und starkes Talent. R. J. * Damenspende beim Feste zur Feier des XXX. Semesters der ., Kadimali4*. (Modelliert von Prof. Weischmann.) Dreschlitten im Gebrauch. Cj-pern. (Siehe S. 3S8 von „Ost und West".) Eine amerikanische Zeitschrift ..Outlook" veröffentlicht die folgenden Ausführungen: Jedes Volk hat seine Funktion bei der Entwickelung des Menschengeschlechtes. Jedes Volk trägt das Seinige bei zur Summe menschlicher Gesittung. In grossen Zügen wird man behaupten dürfen, dass Griechenland die Philosophie, Rom das Gesetz, Italien die Kunst, Deutschland die Freiheit, England den Handel, die Vereinigten Staaten die Demokratie — was mehr als Freiheit ist — und das jüdische Volk die Religion zu dieser Gesamtsumme beigetragen haben. Damit soll nicht gesagt sein, dass da keine Philosophie gewesen wäre ausser in Griechenland, kein Gesetz ausser in Rom, keine Kunst ausser in Italien, keine Freiheit ausser in Deutschland, kein Handel ausser in England oder dass da keine Religion gewesen wäre ausser unter den Juden; aber von den grossen sittlichen Ideen der Welt kann mehr auf dieses Volk und auf seine Litteratur zurückgeführt werden als auf irgend eine sonstige historische oder litterarische Quelle. Die Vereinigten Staaten sind enger mit dem Jüdischen Volke verbunden als mit irgend einer der anderen alten Nationen. Unser Schrifttum wimmelt von Beziehungen zu dem der alten Hebräer. Dieselben sind wahrscheinlich zahlreicher als die Anklänge an die griechische und römische Litteratur. Niemand kann die grossen englischen und amerikanischen Dichter lesen und sie verstehen, wenn er nicht seine englische Bibel kennt. Auch historisch sind wir mehr mit dem jüdischen Volke verbunden als mit den Griechen. Unsere freien Institutionen wurzeln alle in denen der jüdischen Nation — sind aus ihnen herausgewachsen als das Resultat eines langen Konfliktes zwischen ihren politischen Prinzipien und denen einer heidnischen Gier nach Macht. 4C*«>