Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1901)
- Article
- Patriotismus
- Date
- 1901-06-01
- Page
- Seite 461 - 462 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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461 Miscellen. 462 eines Freundes, in der Liebe eines Weibes; auch aus den blauen Augen eines fremden Kindes, das am Wegrande spielt, schaut es Dich an; es ist in jedem Wort der Lehre und Weisheit, das ein treuer Lehrer zu Dir gesprochen, es ist im Andenken an Deine Toten, es ist im Bild der grossen Männer, deren Wesen Dich emporgehoben, deren Gedanken Dich bereichert haben; es ist selbst ein Bild, das Du Dir gemacht, ein Idealwesen, dessen Züge Du aus dem Liebsten, Besten und Ehrwürdigsten, was Dir begegnete, zusammengetragen hast. Und nun sprichst Du, alles übrige beiseite lassend: Das ist mein Volk." — (Friedrich Paulsen, Einleitung in die Philosophie, 7. Aufl., S. 287.) * Der Nasenring bei den Juden. „Und es geschah, als die Kamele genug getrunken hatten, da nahm der Mann einen goldenen Nasenring, ein Beka an Gewicht, und zwei Armbänder um ihre Arme, zehn Goldstücke an Gewicht." So heisst es im ersten Buche Mosis (Kap. 24, 22) in der wundervollen Erzählung, wie Elieser, Abraham's Knecht, Rebekka traf am Brunnen.... Auch später finden wir den Nasenring noch häufig in der hl. Schrift erwähnt, und es ist bekannt, dass der eigentümliche Schmuck, den wir in allgemeiner Verwendung wohl nur bei den Hindus finden, sich besonders bei den sehr conservativen samaiitanischen Juden noch lange grosser Beliebtheit erfreute. Die nebenstehende Abbildung zeigt, dass der Brauch bei versprengten Teilen des jüdischen Stammes sich sogar bis auf unsere Zeit erhalten hat. * Eine jüdisch-historische Ausstellung. In Amerika besteht die Absicht, die historischen Erinnerungen auszustellen, welche die Geschichte der Juden illustrieren, von der Entdeckung Amerikas durch Columbus angefangen, die Briefe an die Marannen in Spanien, Washington^ Briefe an die Juden, Porträts, Miniaturen und Stiche von amerikanisch-jüdischen Berühmtheiten, Photographien, Karten und Stiche von Synagogen und Institutionen, eine Sammlung aller Bücher, geschrieben von Juden in Amerika, und derer, die sich auf das amerikanische Judentum, dessen Geschichte und Institutionen beziehen, ferner Manuskripte, Auto- ^raphen, u. s. w. Die Ausstellung von Gegenständen jüdisch-religiöser Kunst und jüdischer Antiquitäten im allgemeinen wurde ebenfalls vorgeschlagen. Man war allgemein der Ansicht, dass sich gegenwärtig noch viele Gegenstände von Wert im Besitze jüdischer Familien befinden, die, wenn sie durch die Ausstellung und die mit ihr verbundenen Publikationen ans Licht gebracht werden, die Studien der jüdischen Geschichte im allgemeinen, der amerikanisch-jüdischen, und der amerikanischen Geschichte im besonderen sehr fördern würden. Der erziehliche Wert einer solchen Ausstellung liegt darin, dass die ausserordentlichen Dienste, welche die Juden in Amerika seit Entdeckung dieses Weltteils geleistet haben, in einem grossen Gesamtbilde vorgeführt werden, das sowohl auf die Juden selbst wie auf die Allgemeinheit Eindruck machen würde. Dem Comite für diese Ausstellung gehören die hervorragendsten Männer an. Wir nennen nur Dr. Cyrus Adler, den früheren Gesandten Oscar S. Strauss, den Richter Meyer Sulzberger, Professor Gottheil. Simon W. Rosendale, den hervorragenden Juristen Maxi. Kohler, den grossen Philanthropen Jacob H. Schiff, den bekannten Schriftsteller Josef Jacobs, der seinerzeit schon an der jüdisch-englischen Ausstellung beteiligt war, und andere. * Eine Jüdin aus Buchara. (Nach einer Original-Photographie.) Stefan Zweig. Silberne Saiten. (Berlin. Schuster & Löffler.) Der sehr talentvolle Kreis der spezifisch wienerischen Poeten, die zumeist Lyriker, und deren Werke von der weichen, milden, schlaffen Wiener Luft durchspült sind, verdient eigentlich auch an dieser Stelle beachtet zu werden. Denn diese Hoflmannsthal, Schnitzler. Altenberg, Beer-Hoffmann und Donath sind jüdischen Blutes,