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Ost und West · 1901-05-01 · Heft 5 (Mai 1901) · p. Seite 387 - 388

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 5 (Mai 1901)
Article
Henoch
Date
1901-05-01
Page
Seite 387 - 388 (sequence 2)
Language
German
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387 Miscellen. — Aphorismen. 388 Und in dem hellen Scheine, der von dem Ringe ausgeht, erkennen die. Streitenden, dass das Weib ihre Mutter ist, und die Frau, dass sie die ihr geraubten Kinder wiedergefunden hat. „Denn durch das Licht, das aus dem Ring entströmte, War klar geworden ihnen auf einmal, Ganz plötzlich und von selbst die volle Wahrheit: Dass sie hloss darum blinder Wahn bethörte, So dass der Blutverwandtschaft sie vergassen, Weil sie verlassen hatten jenen Glauben, Der Henoch's heil'ger, wahrer Glaube war. Die Sittenlehre, welche nur zwei Sätze Und keine and're kennt und kennen konntet Gott lieben über alles, und wie sich selbst den Nächsten. Mit einem Ausblick auf die Friedenszeit, die nun im ersten Strahle der jungen Sonne anbricht, schliesst die Dichtung. „Ich war erwacht und blickte nochmals forschend Zur Stelle, wo so Grosses sich ereignet, Und sah ein Lamm friedlich mit einem Wolfe Gleichzeitig trinken von der Henochsquelle." („Bohemia".) -Äi^sr APHORISMEN. Die Juden hat Gott zum Herold seines Namens gemacht, weil er nicht blos von der Weisheit erkannt sein will, sondern dem Glauben und der Liebe sich offenbart. Denn Gott ist nicht vornehmlich und wesentlich eine Idee, wie der germanische Philosoph sich einbildet, — sondern Gott ist vorerst und wesentlich ein lebendiges, heiliges, liebendes Wesen, das nicht zuerst wissenschaftlich erforscht, sondern im Herzen angebetet und verehrt sein will. Und weil er ein solcher Gott ist, haben die Semiten seine Apostel sein müssen für die ganze Welt. Denn sie haben ein Herz für ihn gehabt von Anfang an...... Die hochbegabten Völker haben zu den Füssen des verachteten Volkes sitzen müssen, um die Worte des ewigen Lebens zu vernehmen. * Zwischen Gott und dem Menschen giebt es entweder keine oder nur eine gerade Linie — aber viele krummen Wege, welche ihr Ziel verfehlen .... Den einen geraden Weg ist Israel gegangen und hat zu ihm die Völker bekehrt. Rudolph Friedrich Grau, Semiten und Indogermanen in ihrer Beziehung zu Religion und Wissenschaft. Die Religion der Juden trägt deutliche Spuren höheren Ursprungs an sich. Wer ihr im ganzen Umfange treu ist, der ist unfehlbar der frommste Gottesverehrer und der tugendhafteste Bürger im Staat. A. H. Niemeyer, Charakteristik der Bibel, III. Bd., S. 230. * Das Individuum ist eine Welt für sich, die jeder Analogie spottet. Dr. Fr. El bogen. * Um eine Religion zu sein, würde etwas dem Mitleid fehlen, wenn es nicht gleichfalls seine Märtyrer hätte. G. M. Valtour. , * Das Mitleid beschäftigt uns so ausschliesslich, dass für die Hilfe nichts übrig bleibt. Emanuel Wertheimer. * Es bleibt ihnen nur noch übrig, entweder die Herren Europas zu werden, oder Europa zu verlieren, so wie sie einst vor langen Zeiten Aegypten verloren, wo sie sich vor ein ähnliches Entweder- Oder gestellt hatten. Nietzsche. (Vom Volke Israel.)

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