Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Eine neue Ophir-Theorie
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 385 - 386 (sequence 2)
- Language
- German
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385 Miscellcn. 386 mächtig- bis ins Innerste hinein bewegt hätte als jener Gedanke gestern auf dem letzten Berge vorArbela: Das da ist Mesopotamien! Nicht einmal, als ich Palästina von der Höhe Kalat Subebes über Caesarea Philippi sah, hörte ich im Geiste die Brunnen der grossen Tiefe, aus denen unseres Geschlechtes Schicksal fliesst, mächtiger rauschen als hier im Angesicht des Landes, das die ältesten Menschen und Völker getragen, von denen Erde und Himmel bisher zu zeugen wissen. Dieselbe Ebene dehnt sich von hier ununterbrochen aus bis an die Mündung der Ströme, nach Babel, Sumir und Akkad, wo jetzt in unseren Tagen Denkmäler der Vorzeit zu Tage kommen, so tiefer Nacht entsteigend, dass selbst das graue Altertum der Pyramiden davor ins Licht der hellen Morgenfrühe tritt. Paul Rohrbach. Flarius Josephus (nach einem alten Stich) Henoch. In der arabischen Wüste auf dem Wege von Sanaa nach Mareb ist ein Brunnen, der dem Propheten Idris geweiht ist. Idris ist der Henoch der Bibel, von dem das erste Buch Moses sagt, er sei so gut und fromm gewesen, dass Gott ihn lebendig zu sich nahm, damit er nicht die Schrecken des Todes kennen lerne. An diesen geweihten Brunnen führt uns eine Dichtung, welche die Einleitung zu einer demnächst erscheinenden Broschüre des Dr. Grafen Heinrich Coudenhovc bildet.*) Im dichten Schatten der Palmen liegt der Quell Henoch's: „Kein Räuber stört an diesem heil'gen Orte, Des Lagers Ruhe, friedlich zieht der Wand'rer Auf diesem. Wege hin mit Hab und Gut. Hier lagern oftmals Christen, Juden, Muslims Vertraut zusammen, und die Leute sagen, Dass sie bei diesem Brunnen friedlich fühlen, Als wären alle Kinder eines Glaubens Und tief im Herzen umgewandelt worden." Hier nun hat im Dunkel der Nacht der Dichter eine schreckliche Vision. Ein Weib — „Das Antlitz \) Das Wesen des Antisemitismus. Von Dr. Heinrich Graf Coudenbove. (Verlag von S. Calvaiy & Co.) ist durchfurcht vom tiefsten Grame, die edlen schönen Züge gleichen Marmor, sie trägt die Kleidung der arabischen Jüdin" — naht dem Brunnen und fleht, da sie verfolgt und gehetzt werde, zu dem Ahnherrn Henoch um gnädige Erlösung, — „Doch vorher, wenn es möglich ist, um Rache." Da stürzen zwei Männer auf die Frau zu; der eine trägt ein goldenes Kreuz und einen Helm, der andere einen Turban mit dem Halbmond. Als sie sich erblicken, dringen sie mit den Schwertern auf einander ein, — „und blutig ward das Kreuz, blutig der Halbmond". Dann hebt ein furchtbares Ringen zwischen allen Dreien an. Da erscheint „— — — — — ein Greis im Silberhaar Mit langem Bart und wallenden Gewändern. Und alles Licht geht aus von einem Ringe, Den an der Hand er trägt, der wetternd leuchtet. Unendlich hehr und unbesingbar schön Ragt sie empor, diese Gestalt des Greises. In seiner Hand erblick' ich einen Griffel, Ein Sinnbild jedes segensreichen Wissens. Ja, Henoch war's, und dieser Ring, ich liihlt' es, Es war der Ring, von dem die Sage singt, Der hehre Ring, der unschätzbare heil'ge, Der Ring, der einst die Zauberkraft besessen Vor Gott und Menschen angenehm zu machen! Ja, sicher ist,s, kein Zweifel, jener Ring Ist im Besitz des Herrn der Wissenschaft. Der Ring, die Sehnsucht aller Religionen, Der Ring, der uns zu Gott dem Herrn führt; Der Ring, der Henoch so mit Gott verbunden, Dass er das bittre Sterben ihm ersparte!" Jüdische Typen aus Kaukasien. Eine Mutter mit ihren Kindern. (Nach einer (Xriginal-Photographie.)