Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1901)
- Article
- Die Bernsteinische Bibliothek
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 359 - 360 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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359 B. W. Segel: Die Bernsteinische Bibliothek. 360 insonderheit älterer und seltener Druckwerke, an denen, wie auch an Inkunabeln, die Bernsteinische Bibliothek besonders reich ist. Bücher, welche jüdische Sprichwörter betreffen, enthält die Bernsteinische Bibliothek zusammen 165, davon sind 126 hebräische, 35 jüdisch-deutsche und 4 spagnolische. Unter den hebräischen befinden sich die Sammlungen talmudischer und rabbinischer Sprüche. Einen Titelblatt einer italienischen Uebersetzung der Sprüche Salomonis in hebräischen Lettern gedruckt. Venedig 1617. In der Bibliothek des Herrn Ignaz Bernstein in Warschau. besonderen Platz unter ihnen nehmen verschiedene Ausgaben und Uebersetzungen der Sprüche Salomonis und des Sirah-Buches ein. Dass nur 35 Schriften zur jüdisch-deutschen Parömiologie vorhanden sind — man darf nämlich getrost annehmen, dass die Bernsteinische Biblipthek alle vorhandenen besitzt —, ist ein Beweis, dass leider noch sehr wenig für die Volkskunde der Juden geschehen ist. Den ersten Rang unter diesen Schriften nimmt die von dem Besitzer der Bibliothek Ignaz Bernstein in den Jahren 1888 und 1889 in Warschau herausgegebene Sammlung von jüdischen Sprichwörtern in zwei Heften ein, die zuerst in Spektor's „Hausfreund" erschienen ist. Noch weniger jedoch haben die sephardischen Juden für die Sprichwörter in ihrer Sprache, dem sogenannten Lodino, gethan. Zwei von den vier vorhandenen Sammlungen hat Kayserling hergestellt. — Es wäre wohl interessant zu wissen, wie eine solche eigenartige Bibliothek entsteht, der Benutzer des Kataloges verspürt die Lust, etwas von den vielen grossen und kleinen Freuden und Leiden des.Sammlers zu erfahren, dem er ein so bequem und übersichtlich ausgestattetes, genussreiches Werk verdankt. Doch verrät uns der Verfasser von all dem nichts. Er erzählt bloss in der Vorrede, die eingehend über Anlage und Benutzungsweise des Werkes belehrt, dass er im Veilaufe von fünfunddreissig Jahren alles ihm Zugängliche in den Bereich der Sprichwörter- Litteratur Gehörige zu sammeln bestrebt war, ohne Mühe, Zeit und Kosten zu sparen. Dass an diesen letzteren drei Dingen auch bei der Herstellung des Kataloges nicht gespart wurde, wird für den Leser immer klarer, je öfter er das Buch benutzt. Diese Bibliothek und ihr Katalog sind ein herrliches Denkmal unvergleichlichen Sammelfleisses und edler Opferwilligkeit im Dienste einer idealen Aufgabe.