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Ost und West · 1901-04-01 · Heft 4 (April 1901) · p. Seite 267 - 268

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 4 (April 1901)
Article
Die "Haggada"
Date
1901-04-01
Page
Seite 267 - 268 (sequence 5)
Language
German
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267 S. B.: Die „Haggada" 268 verschiedenartig illustriert, wie die ,,Haggada44, da diese Liturgie ausschliesslich nur für die häusliche Andacht bestimmt war und somit ein klein wenig von ihrem Ernst abgeben durfte. Es sind unzählige handschriftliche und gedruckte Haggadas mit Illustrationen vorhanden, die natürlich nicht alle gleichwertig sind. Die Zeichnungen illustrieren entweder Stellen aus der „Haggada" selbst oder andere, inhaltlich mit ihr verwandte Themata. So haben wir Bilder vom „Auszuge Israels aus Aegypten4', vom „Durchzug durch das Rote Meer', vom „Untergang Pharao's und seines Heeres" und dergleichen. Ferner zeigen uns einige Illustrationen die „vier Söhne", d. h. die vier verschieden gearteten Jünglinge, welche die „Haggada" erwähnt, und für deren jeden sie eine passende" Antwort hat, „Mose erschlägt den Aegypter", „Mose und Aaron vor Pharao", oder „Das grosse Sterben in Aegypten", ,,Pharao dringt in die Israeliten, Aegypten zu verlassen" u. s. w. Manche „Haggada" hat wiederum eine Zeichnung von den berühmtenLehrern, welche den Sederabend in Bene-Berak zugebracht haben und sich über die Wunder in Aegypten bis zum Tagesanbruch unterhielten, so dass ihre Jünger sie daran erinnern mussten, dass es bereits Zeit zum Frühgottesdienst sei. Am bekanntesten ist die vor Jahren in die Oeffentlichkeit gebrachte „Haggada von Sarajewo", die an Buchstabenzierrat, Initialen und sonstigem Bilderschmuck sehr reich ist. Im übrigen ist ihre Bedeutung arg überschätzt worden. Die allzu schreienden Farben, welche für die Illustrationen gewählt worden sind, verraten keineswegs einen höheren Kunstsinn; der Einfluss der slavischen Umgebung, in der diese „Haggada" entstand, ist unverkennbar. Keine einzige Zeichnung ist eigenartig und originell in der Auffassung. Die Gesichter alltäglich und unbedeutend. Derartige Erzeugnisse des primitivsten Kunstsinnes habe ich bei den Juden im Orient zu Hunderten gesehen. Eine Sammlung all dieser Illustrationen wäre .aber immerhin ein dankenswertes Unternehmen. Sind es doch leider fast die einzigen Produkte des Kunstsinnes unter den Juden in früheren Jahrhunderten. Und schliesslich wollen wir ja wissen, was die jüdische Jugend im freudlosen Ghetto wenigstens am Passahabend ergötzt hat. Andere Bilder bekam sie wohl schwerlich zu sehen. Indessen muss uns die Gegenwart und die Zukunft nicht minder am Herzen liegen als die Vergangenheit. Der Sederabend ist noch immer ein Familienfest bei den Juden, und die „Haggada" so ziemlich das verbreitetste Buch religiösen Inhalts. Selbst die lieben Kleinen, die noch nicht lesen können, freuen sich an den Illustrationen und lernen so bildlich Israels Vergangenheit kennen. Aber diese Bilder müssten mehr unserem ausgebildeten Kunstsinn entsprechen. Ich meine, es wäre an der Zeit, eine „Haggada" mit modernen, echt künstlerisch ausgeführten Illustrationen zu schaffen. Diese müssten wohl an das Alte anknüpfen, aber die neue Zeit, die heranwachsende Jugend dauernd fesseln können. In der „Haggada" sollte eine Stück Judentum, jüdisches Fühlen und Empfinden seinen Ausdruck finden. Das Alte soll neuartig werden und wirken. Diese Aufgabe harrt eines begabten Künstlers, der ihr sein von künstlerischem Erfassen getragenes Können widmen soll. Vielleicht denkt Freund Lilien an die Komposition einer solchen darstellenden „Haggada"? Es wäre dies eine des sinnigen Zeichners von „Juda" sehr würdige Aufgabe. Abenteuerliche Thierfigur aus der Zahl der ägyptischen Plagen, Aus Kohut: Geschichte der deutschen Juden. Deutscher Verlag, Berlin SW.

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