Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 4 (April 1901)
- Article
- (Jesaia) [Illustration]
- Date
- 1901-04-01
- Page
- Seite 259 - 260 (sequence 1)
- Language
- German
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2f>9 260 DIE „HAGGADA". Von. S. B. Der „Sederabend", d. h. das feierliche Mahl am Vorabend des Passahfestes, ist eine uralte Einrichtung im religiösen Leben der Juden. Schon im 2. Buch Moses (12, 11) findet sich vorgeschrieben, in welcher eigenartigen Weise das Passahlamm „mit ungesäuertem Brot und Bitterkraut" gegessen werden soll. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt diese Feier, die zugleich religiös und national war, eine erhöhte Weihe. Entsprechend der hohen Bedeutung des geschichtlichen Ereignisses, an das diese Zeremonie anknüpft, wurde sie immer mehr verinnerlich t und vergeistigt. Es standen später nicht so sehr die symbolischen Gebräuche im Vordergrund, wie die religiöse und nationale Erhebung. Israel feierte an diesem Tage die Erinnerung an die einstige Befreiung aus drückender Knechtschaft, dachte aber da- (Jesaia.) *)e* auch an die traurige Gegenwart und an die hoffnungsreiche Zukunft. Während der Römerherrschaft in Palästina gewann die Passahfeier immer grössere Bedeutung. Es wurde in Israel Sitte, am Vorabend dieses Festes von der wunderbaren Errettung in uralter Zeit viel zu erzählen. Anknüpfend an den biblischen Ausspruch (2. Buch Mos. 13, 8): „Du sollst deinem Kinde an diesem Tage erzählen, um dessentwillen hat mir der Herr alles erwiesen, als ich aus Aegypten zog", begann man um jene Zeit, den Passahabend mit gemütvoller Unterhaltung über jene wunderbaren Ereignisse auszufüllen. „Wer sehr viel von dem Auszuge aus Aegypten zu erzählen weiss, verdient grosses Lob." Zweifellos sprach man von den schweren Bedrückungen der Vorfahren durch Pharao, dachte jedoch dabei nicht minder an die eigenen Leiden, und den grausamen Fremden wünschte man ebensolches Ende, wie es einst die ägyptischen Zwingherren erreicht hatten. Insbesondere seitdem Israel immer mehr zerstreut wurde, gestaltete sich das Passahfest bei den in der Fremde lebenden Juden inniger und erhebender zugleich. Da das Passahlamm ausserhalb des geweihten Bodens nicht verzehrt werden durfte, so blieb eben nur das „Brot der Armut*' (die ungesäuerten Kuchen) und das „Bitterkraut". Der Hass und die Anfeindung, welche die Juden in der Diaspora umgaben, bildeten auch das geeignete Relief zu der Feier, welche an die einstigen Leiden Israels erinnerte. Man sollte somit von der wunderbaren Rettung der Vorfahren an jenem Abend feierlich erzählen, denn so muss das Wort „wehiggadta" (im Gegensatz etwa zu „wesipparta") verstanden werden. Die grössten Lehrer Israels vertieften sich in die Auseinandersetzung jener Ereignisse, und schämten sich nicht, die kindlich naiven Ueberlieferungen zu erzählen und von Jahr zu Jahr zu wiederholen. Indessen gab es ja auch viel ungelehrtes Volk, das nicht wusste, wie die Unterhaltung über diesen Punkt in der Familie zu leiten sei. Wie bei den anderen . gottesdienstlichen Einrichtungen entstand auch für den Sederabend in früher Zeit eine feste Norm, die „Haggada", d. h. die feierliche Erzählung vom Auszuge Israels aus Aegypten. Wie wohl den meisten Lesern bekannt sein dürfte, zerfällt diese Liturgie in zwei Teile, in den, der vor der Mahlzeit rezitiert wird, und in jenen, der nach der Mahlzeit den würdigen Abschluss der Feier bildet. Nur der erste Teil ist uralt, jedenfalls älter als die Mischna, etwa dem ersten Jahrhundert der üblichen Zeitrechnung angehörend: der zweite Teil ist verhältnismässig jung. Mit Ausnahme der kurzen, im aramäischen Idiom gehaltenen Einleitungsansprache findet sich alles andere in dem älteren, nachbiblischen Schrifttum der Israeliten. Die Einzelheiten dieser „Erzählung" dürfen als bekannt vorausgesetzt werden. Manches ist kindlich-naiv gehalten, und um es heutzutage l>co ' o r> messen zu können, muss man Verständnis für die ältere Zeit und ihre Anschauungen mitbringen. Ich will hier nur auf einen wichtigen Punkt hinweisen. Nachdem die „Erzählung" in der ursprünglichen Form zu Ende ist, wird mit einem Gebet geschlossen, das um 130 der üblichen Zeitrechnung eingeführt worden ist. Dieses Gebet lautete nach dereinen Fassung: „Gelobt seist du, Herr, unser Gott und der Gott unserer Väter, König des Alls, der uns und unsere Vorfahren aus Aegypten erlöst und uns diesen Abend hat erleben lassen, an dem > ^OJ> *>P *T>-3'3> J>0)->rU3 L>U^ 1 > 4 l ±3»t> Jjj >j^v a>>j*>^)a) 3^ta sj-^^ iuju j^hj /©>J7 Mojy &>H) ->>->+i3 \*3}*i> /nfla-*' r£w»»x> jnis*) 1l>!:> ^b)>j) ">^> ~>Zl ->Va Y*7* 1 > \ —Ot>± 1^9 vz. r>o >jX3 ^7u>e3 a>*?^L>jy» -«Li yyj^J y^toy ^owy vi*** -A?"*-> -yw'*?» s*'l^> j>V)i*2> Y**9W o^>? 0)O vyi>* JLn r i - 3m?Wo^& tnK^Ü v qWwUfc.p - 1 tvv. o»tJn TO rtoy Tfmyjt ° z_ 'jXy^J^ SpyA Cp**'* Nachtrag aus einer handschriftlichen Haggada.