Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 3 (März 1901)
- Article
- Aphorismen
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 229 - 230 (sequence 2)
- Language
- German
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229 Aphorismen. — Revue der Presse. 230 diese "Wunder ist die einfache, dürre Thatsache; ja diese Thatsache, dass aus einem Sklavenhaufen, aus einem unter dem Joch der drückendsten Frone seufzenden Stamm, ohne Heimat, ohne Ordnung, ohne Geschichte, dass aus diesem Stamm ein Kulturvolk, das Kulturvolk der Religion und Sittlichkeit geworden, diese Thatsache allein ist das grösste aller "Wunder, welche denkbar sind. M. Lazarus. # Mit Bezug auf die Juden ist die allgemeine Annahme einer ihnen ungünstigen Theorie in keiner Weise ein unfehlbarer Beweis für ihre Richtigkeit. Seit so vielen Jahrhunderten haben Unwissenheit und Aberglaube fortwährend die Saat der Verleumdung ausgestreut, dass viele Vorurteile eingewurzelt sind, die bei unparteiischer Prüfung sich nicht nur als grundlos erweisen würden, sondern sich geradezu im Gegensatz zu den Thatsachen der jüdischen Geschichte befinden. (Aus dem Englischen.) Wo immer die englische Flagge wehte, war man sicher, irgend ein Mitglied der jüdischen Gemeinschaft zu finden, das einen thätigen und intelligenten Anteil nahm an allem, was auf den greifbaren Fortschritt der Menschheit hinzielte. Sir Reymond West (über die B'ne Israel in Indien). * In geistigen und moralischen Zügen, an Gestalt wie in seinem Gesichtsausdruck ist der Jude von heute derselbe wie zur Zeit als Jerusalem wetteiferte mit Tyrus und mit Babylon. . . -Der Jude von New York, von Chicago und von St. Louis ist an Leib und Seele der Jude von London, Petersburg und Konstantinopel, ebenso wie der der umwallten Städte Juda's in David's Zeit: Es giebt keinen anderen Fall, in dem eine Nation so über alle Teile der Welt zerstreut doch eine Nation blieb. Professor James K. llosmer (The Story of the Jews). REVUE DER PRESSE. Allgemeine Zeitung des Judentums: „Die Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer in Amerika hat eine Uebersicht über ihre Thätigkeit von dem Tage ihrer Gründung bis November 1900 veröffentlicht. Die Gesellschaft begann ihre Thätigkeit im Herbst 1888 mit der Unterbringung von vier jüdischen Familien, welche in Süd-Minnesota je SO Acres Prairieland angekauft haben. Seitdem sind von der Gesellschaft ohne Hilfe des Baron Hirsch-Fonds in den Staaten Illionis, Michigan, Iowa, Wisconsin und Dacota 71 Familien mit 314 Seelen als Farmer untergebracht worden." — Es wäre interessant, festzustellen, wie sich das „jüdische Leben" bei diesen auf unermessliche Strecken Landes verteilten 71 Familien abspielt. „Hazefira" (Warschau) meldet, dass sich in verschiedenen Gegenden Russisch-Polens unter der armen jüdischen Bevölkerung eine lebhafte Auswanderer-Bewegung nach Argentinien bemerkbar macht. „In letzter Zeit sind bereits zahlreiche jüdische Familien nach Südamerika abgereist, nachdem sie all ihr Hab und Gut verkauft hatten, um das nötige Reisegeld zu erschwingen. Im März-Heft von „Nord und Süd" veröffentlicht Bernhard Münz (Wien) eine Auswahl von Briefen, die „Lei- Alte vom Berge", Adolf Pichler, an ihn gerichtet hat. In einem Schreiben vom 14. April 18% heisst es: „Der Antisemitismus ist für mich ziemlich gegenstandslos. In Tirol sind wenig Juden; den Wucher besorgen, wie die gerichtlichen Verurteilungen beweisen, ausgiebig unsere katholischen Brüder, die deutschen Buchhändler sind durchschnittlich schäbiger als der schäbigste Jude.......Der Antisemitismus ist nicht künstlich gezüchtet, er ist eine Zeiterscheinung, die sich in der Zeit ausleben muss. Trotz des Weltverkehrs schliesse sich die Völker mehr und mehr ah, Juden und Arier folgen dabei bewusst oder unbewusst dem gleichen Drang. Den Juden die Menschenrechte abzuerkennen, ist Sünde." „Der Israelit" bringt in No. 21 einen Leitartikel: Der Niedergang des Judentums in Frankreich. Der Artikel beginnt mit den Worten: „Schon lange hat uns nichts so schmerzlich tief von dem Niedergang des Judentums in Frankreich überzeugt, als eine uns vorliegende Serie von Aufsätzen, welche die religiösen Gesetze und das moderne Leben in No. 21, 23, 24 und 25 des Univers lsraelite zum Gegenstande haben." Mit bitteren Worten