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Ost und West · 1901-02-01 · Heft 2 (Februar 1901) · p. Seite 153 -154

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 2 (Februar 1901)
Article
Aphorismen / Karpeles, Gustav
Date
1901-02-01
Page
Seite 153 -154 (sequence 2)
Language
German
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153 Aphorismen. — Revue der Presse. 154 Heute kann man sich ein Volk ohne Kunst überhaupt nicht mehr denken, und am wenigsten ohne die Malerei, denn diese ist im Grunde genommen demokratische Kunst............ Ungleich wichtiger als die Sammlung von Kunstdenkmälern der Vergangenheit ist die Entstehung von Werken, die auf die Zukunft des jüdischen Stammes hinweisen. Gustav Karpeles. Unzerstörbar ist in uns die Seele der Väter, und noch immer brauchen wir unsere Kräfte in der unbewussten Herrschaft der uralten Instinkte. Gabr. D'Annunzio. # Noch keinem Volke, das neben den materiellen so sehr nach den geistigen Gütern trachtet, haben die nationalen Erfolge gefehlt. Lüher (über die Neugriechen). REVUE Dl „Woskhod" und „Buduschtschnostj" bringen in den letzten Wochen erschütternde Nachrichten über die in Bessarabien (Südrussland) herrschende Hungersnot. Wir gehen auf diese Nachrichten beute deshalb nicht näher ein, weil uns ein ausführlicher Bericht von dort aus zugesichert worden ist. Die „Ethische Kultur** hat in kräftiger Weise zur Judenfrage Stellung genommen. Wir finden dort (in No. 4) die folgenden Ausführungen von Geheimrat Förster: „Das Eine allerdings können und müssen die Juden Deutschlands verlangen, dass endlich ihre deutschen Mitbürger sich ermannen und gemeinsame Sache mit ihnen machen in der ernsten., unablässigen Verurteilung und Bekämpfung aller der widerrechtlichen Einschränkungen und Bedrückungen, die man in Deutschland den jüdischen und überhaupt allen den Landeskirchen nicht angehörenden Bürgern zu bieten wagt." Auch in No, 6 der „Ethischen Kultur" (vom 9. Febr. 1901) wird nochmals ausführlich auf diese Dinge Bezug genommen. In der Frankfurter Zeitung finden wir eine nicht uninteressante Kontroverse zwischen dem Direktor des dortigen Reform-Gymnasiums, Dr. Reinhardt, und dem Antisemitenführer Schock. Nach dem letzteren wäre die antisemitische Forderung des Ausschlusses jüdischer Kinder aus den allgemeinen Schulen insofern berechtigt (trotzdem die Partei sonst das Prinzip der Einheitsschule vertrete), als die Judenkinder infolge ihrer Eigenaxt, besonders ihres Ehrgeizes wegen, eine Gefahr für die christlichen Kinder bildeten. Ein anerkannter Schulmann, der Direkter des Reform- Gymnasiums in Frankfurt a. M., habe sich auch dahin ausgesprochen, dass die jüdischen Schüler seiner Anstalt einen Einfluss auf die übrigen ausübten. Eine Anfrage hierüber beantwortete Direktor Dr. Reinhardt mit einem Briefe, dem wir die folgenden Stellen entnehmen : „Die jüdischen Schüler unserer Anstalt, die etwa ein Drittel der Gesamtzahl bilden, gereichen durch ihre sittliche Haltung und ihr Benehmen ebenso wie alle andern ihren Lehrern zur Freude. Sie sind gewiss im allgemeinen recht strebsam, indessen giebt es, wie bei allen übrigen, so auch unter diesen Schülern sehr gut beanlagte, minder beanlagte und gering beanlagte. Ich hebe dies besonders hervor, da Gegner unseres Reformversuches in wenig freundlicher Weise darauf hingewiesen haben, dass unsere Anstalt einen verhältnismässig bedeutenden Prozentsatz jüdischer Schüler hat. Weil diese besonders beanlagt seien, so könne unser Erfolg nichts be- R PRESSE. weisen. Herr Geheimrat Dr. Jäger in Köln hat vor einiger Zeit im „Humanistischen Gymnasium" eine derartige Auslassung veröffentlicht, die auch durch die Zeitungen gegangen ist. Es ist wohl zu beachten, dass hier gute Eigenschaften der j udischen Schüler dazu benutzt wer den sollen, um unsere Bemühungen als minderwertig hinzustellen. Aber diese Beweisführung ist hinfällig, da ein durchgreifender Unterschied der Begabung nur der Voreingenommenheit sichtbar wird, in Wirklichkeit aber nicht existiert.....Alle solche Erörterungen über Rassenunterschiede innerhalb der Volksgenossen, die nach Recht und Gesetz das deutsche Volk bilden, scheinen mir ebenso unfruchtbar, wie sie unerquicklich sind." Die Breslauer Zeitung schreibt am 12. Februar: Der Justizdienst und die Juden. Gegenüber den Ausführungen des Ministers Schönstedt und dem Verhalten der Mehrheit des Abgeordnetenhauses diesen Ausführungen gegenüber dürfte wohl die Erinnerung an eine Aeusserung des verstorbenen Königs Ludwig von Bayern über denselben Gegenstand am Platze sein. Als in Bayern die erste Ernennung eines Juden im Justizdienste — wir wissen nicht mehr, ob zum Notar oder zum Richter — erfolgen sollte, wrar der Ministcr zweifelhaft darüber, wie der König darüber denke, und trug ihm den Fall vor. König Ludwig fragte nach dem Vortrag: „Ist der Betreffende nach der Verfassung berechtigt zu der Anstellung?" Als ihm der Justizminister sagte, dass dies allerdings der Fall sei, erwiderte der König: „Dann ist die Sache ja gut", und unterzeichnete das Anstellungspatent. Diesen Vorgang hat s. Zt. der bayerische Justizminister einem Berliner hochgeachteten Rechtsanwalt und Notar zur Kennzeichnung der Stellung des Königs Ludwig gegenüber der Agitation der Antisemiten mitgeteilt. Das Leipziger Tageblatt veröffentlicht die folgende Notiz: Der Zudrang russischer Studentinnen zum Studium der Medizin an deutschen Universitäten ist in letzter Zeit auffällig gestiegen. Die Betreffenden gehören fast ausschliesslich dem Judentum an, und man sagt ihnen nach, dass sie sich durch grossen Fleiss auszeichnen. In Halle a. S. zählt man in diesem Winterjahre deren über zwanzig, in Leipzig sogar mehr als doppelt soviel. . . . Da es bekanntlich in das Ermessen des einzelnen Professors gestellt bleibt, ob er Hörerinnen den Zutritt zu seinen Vorlesungen und Seminarübungen einräumen will, so enthält das Verzeichnis der Vorlesungen an jedem Halbjahre bei den Namen, die den Lehrkörper bilden, entsprechende Vermerke. Hiernach sind die für Studentinnen Unzugänglichen entschieden in der Minder-

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