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Ost und West · 1901-01-01 · Heft 1 (Januar 1901) · p. Seite 75 - 76

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 1 (Januar 1901)
Article
Revue der Presse
Date
1901-01-01
Page
Seite 75 - 76 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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75 Revue der Presse. 76 traurige Lage der in wenige Städte zusammengepferchten jüdischen Bevölkerung zu verbessern. Damit würde die Aufenthaltserlaubnis der Juden auf zahlreiche Orte ausgedehnt, die ihnen nach dem Reglement als Dörfer bisher verschlossen gewesen waren. „Jewish Chronicle" (London) veröffentlicht eine Zuschrift eines hohen türkischen Beamten, Youssuf Bey Krieger, der, ein geborener österreichischer Jude, sich ein reges Interesse für das Judentum bewahrt hat. Er bekleidet heute in Rhodos den Posten eines Direktors der politischen Angelegenheiten des Archipels und war früher länger als 20 Jahre Dolmetscher und Sekretär des Gouverneurs von Jerusalem. Seine Zuschrift behandelt hauptsächlich die Chancen der zionistischen Bewegung, über deren Ziele er alter nicht sehr gut unterrichtet scheint. Er hätte sonst kaum die Unverletzlichkeit der heiligen Stätten des Christentums und Islams als Haupthindernis angeführt. Es war ihm offenbar nicht bekannt, dass es den Zionisten im Grunde genommen nicht um den Besitz Palästinas mit allem, was darin ist, sondern um die Schaffung eines Asyls für die Verfolgten und die Heimatlosen zu thun ist. Andererseits befreit er die Zionisten endgültig von dem Vorwurf, die Einwanderungsverbote in Palästina veranlasst zu haben. Er selbst war Zeuge, wie im Jahre 1891 der frühere Direktor der Ackerbauschule Mikweh-Israel bei Jaffa dem Gouverneur von Jerusalem sagte, dass die russisch-jüdischen Einwanderer an die Wiederaufrichtung des jüdischen Reiches dächten. Diese taktlose Aeusserung eines Beamten der Alliance israelite wäre die direkte Veranlassung zu dem Verbot der Niederlassung fremder Juden im Heiligen Lande gewesen. In einer dänischen Zeitschrift befindet sich ein Artikel von Georg Brandes, betitelt: „Jüdische und christliche Rumänen", welchem wir die folgenden Ausführungen entnehmen : „Vom König, der Königin und den Ministern des Landes selbst haben die unglücklichen jüdischen Rumänen keinen Beistand zu hoffen. Aber hoffnungslos ist der Zustand deshalb nicht. Wenn alle Männer jüdischer Abstammung in Europa und Amerika zu ihrer Verteidigung zusammenständen, sich ihrer Macht bewusst wären und diese Macht gebrauchten, so würden diese Männer bald mit den Missethätem in einem barbarischen Kleinstaat fertig werden. Die Zeit ist vorbei, wo der jüdische Stamm sich ohne Widerstand misshandeln lassen musste.....Doch gegenüber der modernen Barbarei und ihrer frechen Grausamkeit kann man gar nicht anders, als sich mit den Verfolgten solidarisch fühlen. Es ist im übrigen keine Schande, dem einen der beiden begabtesten Völker der Erde, Griechen und Juden, anzugehören. Aber wer sich vor einem recht schrecklichen Juden entsetzt, mag in ihm ein Zeugnis dafür sehen, was die christliche Nächstenliebe, nachdem sie ein Jahrtausend gewirkt, aus dem alten Volke machen konnte..... Der heuchlerische Name Judenhass ist um so lächerlicher im Munde christlicher Männer und Frauen, als Jesus in eigener Person doch_Semit war, und die einzige wirklich semitische Geistesrichtung in Europa die ist, die man gemeinhin Christentum nennt".

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